Andie Arbeit hat geschrieben: ↑Fr 28. Apr 2023, 19:02

Rickie Lee Jones – Pieces of Treasure
Es war 1979, Rickie Lee Jones veröffentlichte ihr erstes Album. Als ich das Cover sah, das Gesicht dieser lässigen jungen Frau, gedankenversunken ein Zigarillo rauchend, wusste ich, die LP muss ich haben. Für 22,95 DM (Preis ist noch drauf) wanderte das Vinyl mit nachhause. 1981 folgte „Pirates“, 1983 die EP „Girl at her volcano“, 1984 „The Magazine“ und weitere fünf Jahre später „Flying Cowboys“. Danach war Schluss. Irgendwie verlor ich die Künstlerin und ihr Werk aus den Augen. Später wollte ich mir gerne einige weitere Sachen als LP zulegen, klappte bislang jedoch nicht. Entweder erst gar nicht als LP erschienen oder schwer zu bekommen, so wie „Pop Pop“ aus dem Jahr 1991. Und Musik, die ich nicht als LP in Händen halten kann, macht mir einfach keinen Spaß.
Nun also „Pieces of Treasure“, ein Album, welches, wie das legendäre Erstlingswerk mit dem Welthit „Chuck E.´s in Love“, von Russ Titelman produziert wurde. An das heutige Erscheinen erinnerte mich beim Morgenkaffee ein Artikel in der TAZ „Kein Jazz, aber doch“.
Genau dies ist nämlich der Punkt, der mich seit meiner ersten Konfrontation mit der Musik von Rickie Lee Jones bewegt, nämlich die Frage, was macht sie eigentlich für Musik? Schon beim Album „Pirates“ keimte diese Diskussion auf. Die einen sprachen damals von einem Geniestreich, andere meinten, dass das Album brutal überproduziert war. Mir hat es gefallen; wie fast alles was Jones veröffentlichte. „Pieces of Treasure“ ist ein spartanisch instrumentiertes Werk, Gitarre, Bass Klavier und Schlagzeug. Es ist ein Album, in welches man sich hinein hören muss. Hinter mir liegen mittlerweile drei komplette Hördurchgänge und das Werk wird mit jedem Mal besser. Die akzentuierte Instrumentierung setzen die immer noch überzeugende Stimme von Rickie Lee Jones ins richtige Licht. Insgesamt besteht das Album, Jones wandelt stringent auf den Spuren des Great American Songbook, aus zehn Songs von denen bereits drei Songs im Januar, Februar und März als Singles vorveröffentlicht wurden. Die Richtung war also klar und der Kauf dieser LP für mich kein Blindflug. Da ich das „Great American Songbook“, egal wer sich dort tummelt, ob James Taylor, Harry Nilsson, John Lennon, Ringo Starr, Rod Stewart (diese Liste könnte beliebig fortgesetzt werden), war die LP sowieso ein absolutes Muss, dass die Songs allerdings so überzeugend, so grandios von Rickie Lee Jones intoniert wurden, ist fantastisch und somit ist das Album ein für mich absolut lohnendes Werk. Allerdings bleibt auch nach drei Hördurchgängen für mich die Frage unbeantwortet, was Jones da eigentlich macht. Vielleicht ist es ja doch Jazz.
Die Aufnahmen sind auf jeden Fall klangtechnisch überzeugend, das Cover enthält auf der Rückseite sämtliche wichtige Infos, allerdings bin ich von der Frontgestaltung weg begeistert. Ich weiß wirklich nicht, was mir dieses Foto sagen soll.
Insgesamt ist es mir aber letztendlich egal, die Tonqualität passt, die künstlerische Darbietung ist perfekt, soll heißen, es ist insgesamt ein musikalisch überzeugendes Werk!