
Deep Purple – Shades Of Deep Purple
Für viele Musikliebhaber:innen beginnt die Geschichte von Deep Purple erst mit der legendären Mark II-Besetzung: Ian Gillan, Jon Lord, Roger Glover, Ritchie Blackmore und Ian Paice. Auch mein persönlicher Einstieg erfolgte 1970 mit ihrem vierten Werk, dem Meilenstein „Deep Purple In Rock“. Doch davor gab es bereits eine andere Ära. Drei Alben wurden von der Mark I-Besetzung eingespielt, in der noch Rod Evans den Gesang und Nick Simper den Bass verantworteten.
Alles begann 1968 mit dem Debüt „Shades Of Deep Purple“. Hört man das Album heute, stellt man schnell fest: Hier musiziert eine Band, die noch mitten in der Selbstfindung steckt. Es ist ein faszinierendes Dokument einer Gruppe im Spannungsfeld zwischen Psychedelic Rock und den ersten Vorboten des Heavy Metal – eine Suche, die erst 1970 im Hard-Rock-Genre ihr Ziel finden sollte.
Eingespielt binnen nur drei Tagen im Mai 1968, präsentiert sich das Debüt als wilder Mix aus Pop-Elementen und massiver Orgel-Wucht. Deutlich hörbar ist die frühe Dominanz von Jon Lord, die im Vergleich zu späteren Alben viel mehr Raum einnimmt.
Interessanterweise besteht das Album zur Hälfte aus Coverversionen. Das ist keineswegs ein Nachteil, sofern die Songs – wie hier – kreativ umgestaltet werden und eine völlig neue Identität erhalten. Besonders eindrucksvoll gelingt dies bei dem Joe-South-Klassiker „Hush“. Etwas schwieriger gestaltet sich dies bei „Help“: Obwohl Deep Purple den Song interessant interpretieren, lastet das Erbe der Beatles so schwer auf dem Stück, dass es kaum gelingt, vollständig aus dem übermächtigen Schatten von Lennon und McCartney zu treten.
Ein entscheidender Faktor des frühen Sounds ist der Gesang von Rod Evans. Seine Stimme sollte später einer der Gründe für Ritchie Blackmore sein, die Besetzung zu ändern. Evans singt eher im Stil der damaligen Pop-Standards – weicher, fast „crooniger“. Ihm fehlt jene rohe Aggressivität und Urgewalt, die Deep Purple ab 1970 auszeichnete und für die Ian Gillan maßgeblich verantwortlich war.
Fazit: „Shades Of Deep Purple“ ist noch kein reines Hard-Rock-Album, auch wenn mancherorts – wie im instrumentalen Mittelteil von „Help“ – bereits die künftige Härte durchblitzt. Insgesamt atmet das Werk den Geist des Psychedelic Rock. Dennoch bleibt es ein unverzichtbares Zeitzeugnis, das die Entwicklung der Band aufzeigt und in vielen Passagen bereits jene improvisatorische Spielfreude andeutet, die Deep Purple später weltberühmt machen sollte.














