Ich möchte jetzt auch noch ein Resümée wagen. Viel Euphorie, grosse Vorfreude und blind gekauft. Zu blind. Ich habe heute noch einmal in das neue Purple Album reingehört und würde es jetzt als genauso übel bewerten, wie die Alben der letzten - 20 ? - Jahre. Die Songs, anfänglich wirklich beeindruckend, liessen immer mehr nach, mit jedem neuerlichen Hördurchgang. Inzwischen ärgert mich auch einmal mehr dieser grauenvolle totkomprimierte Sound. Alles gleich laut, null Differenziertheit im Klang. Selbst die spärlichen Leise-Passagen sind pegelmässig raufgedrückt worden, wie das heute leider fast überall Usus zu sein scheint. Dass der Rock sich irgendwann selber abschafft, war mir schon vor Jahren klar, als ich feststellte, dass es kaum mehr harte Rockbands gibt, die irgendwas wirklich bahnbrechend Neues auf den Weg bringen. Da der Mensch - und ich vor allem - aber ein Nostalgiker ist, erwarte ich in dieser Eigenschaft auch diesbezüglich keine grossen Innovationen mehr. Mein grösster Anspruch blieb jedoch all die Jahre derselbe: Es muss gut klingen, Atmosphäre haben, ein Panorama darstellen, flächig und dennoch kompakt. Und zwar so, dass man die Charakteristik der einzelnen Instrumente in einem perfekt ausgewogenen Verhältnis zueinander vermittelt bekommt, nicht eine Suppe, in welcher alle Instrumente gleich laut klingen. Ob dieser klangliche Schrott, der mich heute bei gefühlt 80 % aller Neuerscheinungen nervt, daran liegt, dass die heutigen Tontechniker in einem mehrheitlich digitalen Umfeld ihre Ausbildung machen, kann ich nicht beurteilen, auch wenn ich diesbezüglich so Einiges gesehen habe in den Tonstudios. Aber wenn ein Toningenieur nicht mehr weiss, wie ein Instrument klingen und innerhalb eines Gesamtsounds platziert (quasi ausgeleuchtet) werden muss, ist das das Eine. Wenn es der Musiker, der das Instrument spielt, aber auch nicht mehr hört, oder sogar druckvolle Musik über ein ausgewogenes, plastisches und natürliches akustisches Gesamtbild stellt, dann besteht kaum mehr gross Hoffnung auf besonders erfüllende musikalische Preziosien. Mit diesem unsäglich lauten Brei, denn Deep Purple jedoch auf diesem neuen Album verbreiten, der auch noch die letzte kompositorische Feinheit rausprügelt, lässt erahnen, dass auch ihre Macher nicht mehr allzu grosse Ansprüche an ein wundervolles Klangbild stellen. Was waren da "Machine Head" oder "Burn" doch noch klangliche Perlen.
Für mich nach mehreren Durchläufen, bei welchen ausser dem miserablen Soundmix auch die Songs nicht hängen blieben, die Enttäuschung des Jahres.
