[REVIEW] The Ant Band • From Genesis To Reimagination (2026)

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Beatnik
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[REVIEW] The Ant Band • From Genesis To Reimagination (2026)

Beitrag von Beatnik »

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Zuerst einmal einleitend: Wohin packt man eine Neuerscheinung, das
a) ein gesamtes Album einer späteren Progressive Rock Ikone covert und es dabei auch stilistisch komplett verändert, und
b) warum wählt man dafür ausgerechnet das einzige Album dieser weltberühmten Progressive Rock Band, das gnadenlos floppte ?

Die Ameisen-Band veröffentlichte vor knapp fünf Jahren ihr erstes Album, welches ein Tribut an den Musiker Anthony Phillips war. Nun legt sie nach. Und wiederum huldigen die Musiker dabei einem kompletten Album, nämlich dem bis heute völlig unterschätzten Werk "From Genesis To Revelation" von Genesis. Die Band gibt dem Album den Titel "From Genesis To Reimagination", und das passt ausgezeichnet zu diesem hochspannenden und wunderbaren Album, das mich völlig von den Socken haut. Zuerst einmal macht die Ant Band etwas, was damals nicht mal Genesis beschieden war: Sie krempelt die Songliste komplett um und präsentiert die Platte in jener Song-Reihenfolge, die Genesis damals zwar so geplant hatten, aber schliesslich nicht umsetzten. Die Songreihenfolge, wie sie die Ant Band nun präsentiert, entspricht exakt jener Reihenfolge der Master Tapes, ist also die Reihenfolge, in welcher Genesis die Songs damals auch im Studio aufgenommen hatten. Diese Ur-Master Tapes von 1968 wurden von der damaligen Plattenfirma Decca Records in ihrer Reihenfolge geändert, weil Decca glaubte, dass ein Song mit dem Titel "In The Beginning" nicht am Anfang eines Albums stehen müsse (!). Damit vernichteten diese glorreichen Manager schon von Beginn weg das musikalische und thematische Konzept des Albums und machten schliesslich aus einer eigentlich als zusammenhängende Geschichte Sammlung von Songs ein Mischwerk, das zwar noch immer interessant war, aber nicht mehr der Grundidee der Musiker entsprach. Es war also damals schon gang und gäbe, der Kreativität der Musiker Grenzen zu setzen, sie einem kommerziellen Diktat zu unterwerfen.

War das ursprüngliche Genesis Album "From Genesis To Revelation" durchaus im leicht verträumt wirkenden britischen Freak Folk angesiedelt, so machen die Ameisen 2026 ein hoch unterhaltsames, ziemlich psychedelisch anmutendes Werk daraus, das natürlich den Grundcharakter aller Songs komplett verändert. Aber muss das unbedingt negativ sein ? Für mich: grundsätzlich ja, denn man liebt ja schliesslich so manches Original und hat es sich vielleicht über Jahre oder wie in diesem Fall über Jahrzehnte einverleibt. Und dennoch bildet "From Genesis To Reimagination" eine ganz tolle Ausnahme: Alle Songs, die damals mehrheitlich aus der Feder von den Ur-Genesis Musikern Tony Banks, Anthony Phillips, Peter Gabriel und Mike Rutherford stammen, wurden völlig neu konzipiert. Was blieb, sind die originalen Kompositionen und die Songtexte. Aber das ist es dann auch schon gewesen. Musikalisch hört sich das völlig anders an, und wenn man nicht wie ich, der das Genesis-Original so gerne mag, jeden Song längst kennt, erlebt hier ein quasi eigenständiges neues Album, das mit dem Original herzlich wenig zu tun hat. Es ist ja mit Coveralben so eine Sache: meist funktionieren sie nicht annähernd so gut wie die Originale und auch ich würde zugegebenermassen 90 % aller Coveralben als ziemlich unnötig bezeichnen. Nicht aber dieses geniale Werk.

Jeder Song ist hier toll in Szene gesetzt. Mal dominieren die psychedelischen Momente, dann aber schimmert auch mal wieder jener herrliche Byrds'sche Countryrock der Urzeit durch, und ganz besonders spannend klingt es, wenn die Ant Band in Songs wie etwa "Build Me A Mountain" oder "Window" fast schon die britische Früh 90er Brit Pop-Schiene streift. Allen Songs gemein sind die hervorragenden mehrstimmigen Gesangsarrangements, die klar in Richtung Beatles schielen. Und als wäre das nicht schon genug, beweisen die Ants, dass sie auch, wie zum Beispiel im Song "A Place To Call My Own" wunderschöne Twin Guitar Läufe spielen können. Die Ant Band hat hier ihr ganz eigenes Genesis-Album gestaltet.

Ein ganz tolles Werk, das eben auf CD erschienen ist und als Vinyl in den nächsten Wochen als FOC folgen soll. :yes:







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BRAIN
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Re: [REVIEW] The Ant Band • From Genesis To Reimagination (2026)

Beitrag von BRAIN »

Ein starkes Review, Beatnik – und ich kann deine Begeisterung gut nachvollziehen.
Was die Ant Band hier macht, ist in zweierlei Hinsicht bemerkenswert: Zum einen greifen sie ein Album auf, das selbst innerhalb der Genesis‑Diskographie ein Sonderfall bleibt, zum anderen rekonstruieren sie nicht einfach, sondern korrigieren gewissermaßen die ursprüngliche Intention der Band.
Dass sie die Master‑Tape‑Reihenfolge wiederherstellen, die Decca damals aus kommerziellen Gründen verworfen hat, ist mehr als ein Gimmick – es gibt dem Werk tatsächlich eine innere Logik zurück, die man im Original nur erahnen konnte.
Musikalisch überzeugt mich vor allem, wie konsequent sie die Stücke in ein neues ästhetisches Umfeld stellen, ohne die Substanz der Kompositionen zu beschädigen. Die psychedelischen Elemente, die Byrds‑Anklänge und die fast britpopartigen Momente in *Build Me A Mountain* oder *Window* zeigen, dass hier nicht einfach „nachgespielt“, sondern neu gedacht wurde.
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