Planet Streitfrage: Ist Rock tot?

Antworten
Benutzeravatar

Topic author
BRAIN
Beiträge: 4201
Registriert: Mo 3. Apr 2023, 00:53
Has thanked: 4928 times
Been thanked: 4617 times

Planet Streitfrage: Ist Rock tot?

Beitrag von BRAIN »

Planet Streitfrage: Ist Rock tot?

Diese These hört man seit Jahren:
„Rock ist tot.“
Keine Relevanz mehr. Keine großen Bands. Keine Bewegung. Nur noch Nostalgie.

Aber stimmt das wirklich?

Diskussionsfragen:
- Ist Rock kulturell bedeutungslos geworden?
- Fehlen charismatische neue Bands?
- Hat Streaming das Genre entkernt?
- Oder ist Rock einfach nur aus dem Mainstream verschwunden?

Wichtig:
Keine Einzeiler. Keine Floskeln.
Begründet eure Meinung konkret – mit Beispielen.

Meine These:
Rock ist nicht tot. Aber er ist bequem geworden.
Weniger Risiko. Weniger Provokation. Mehr Retro.

Jetzt ihr:
Ist Rock tot – oder nur älter geworden?
MAKE PROG NOT WAR ! ---> ---> My 2025 Album Faves
Benutzeravatar

Sirius
Beiträge: 1839
Registriert: Sa 31. Aug 2024, 17:52
Has thanked: 1025 times
Been thanked: 3167 times

Re: Planet Streitfrage: Ist Rock tot?

Beitrag von Sirius »


Ist Rock tot ?
Nein, aber er hat nicht mehr die Relevanz früherer Jahrzehnte.
Die Generationen, die mit der Musik der 60er, 70er und 80er aufgewachsen sind, haben auch den Erfolg der Rockmusik getragen - und tun es noch heute. Aber genau wie die Helden dieser Zeit, werden auch die Liebhaber immer weniger, und die Generationen, die nachwachsen, wachsen in einer veränderten Welt auf. Letztes Jahr wurden in Deutschland mehr Vinylalben als CDs verkauft, aber im Vergleich zum Streaming werden physische Tonträger langsam aber sicher bedeutungslos. Streaming wird vielen neuen Bands das Leben und Überleben schwer bis unmöglich machen, hier die Zahlen zum Streaming und die Verdiensmöglichkeiten :
https://www.stereo.de/ratgeber/musikstr ... g-musiker/
Bild
Eine Million mal muss ein Song gestreamt werden, um damit minimal 3.000$ bis maximal 18.000$ zu verdienen, wobei QOBUS und Tidal dabei noch die erfeulichen Ausnahmen darstellen, Spotify; Amazon und die anderen großen Anbieter beuten die Künstler aus.

Topacts werden auch mit Streaming gut leben können, aber viele kleine Bands eben nicht. Durch Streaming hat sich auch der Besuch von Konzerten überproportional verteuert, früher tourten Bands um ihe Alben zu promoten, heute promoten Bands mit ihren Alben die anschließende Tour, denn nur da lässt sich gerade für kleiner Acts noch genug Geld verdienen, für mich selbst war es immer sehr wichtig, meine Lieblingsbands auch live erleben zu können, dadurch wurde die Bindung auch verstärkt, für junge Leute ist es dagegen heute schwierig, die hohen Ticketpreise zu stemmen. Ich habe es ja mal an anderer Stelle erwähnt, dass mir Paul Cook und Peter Nicholls von IQ nach einem Konzert in Aschaffenburg erzählten, dass die Band noch nie von den Verkäufen ihrer Alben leben konnte, es reichte meistens nur für neues Equipment und die Produktion des nächten Albums, alle Bandmitglieder gehen einem Beruf nach, für Touren wird der Urlaub geopfert. Es ist Liebe zur Musik, und die Liebe der Fans zur Band, dass sie immer wieder auch nach Deutschland kommen, mit Geld kaum aufzuwiegen. Der Versuch von mir, an Verkaufszahlen der Pineapple Thiefs zu kommen, ist gescheitert, es gibt einfach keine, ich denke, da wird es ähnlich wie bei IQ und vielen anderen Bands laufen, dass es die Liebe zur Musik ist, dass uns solche Bands dennoch über Jahrzehnte mit ihrer Kunst beglücken.
Vor Jahren habe ich versucht den zwei Jungs meiner Nachbarn, die ich seit ihrer Geburt kenne, die Rockmusik näher zu bringen, sie waren beide sehr an meiner Anlage interessiert. Aber weder Pink Floyd, Led Zeppelin, Santana oder Marillion konnte echtes Interesse wecken (Langweilig, passiert da auch mal was ...), der jüngere hörte irgendwann ständig Hip Hop (für mich im Prinzip gar keine richtige Musik), der ältere lässt sich durch zufällige Wiedergabe bei Spotify berieseln. Formate wie TikTok werden junge Menschen von der konventionellen Art Musik zu hören noch weiter entfernen. Es wird aber sicherlich immer wieder auch neue Fans geben, die Interesse an der klassischen Rockmusik finden, allerdings weiß man heute noch nicht wirklich, wohin die Entwicklung noch gehen wird, gerade im Hinblick auf Social Media, Streaming und auch die KI wird vieles verändern.

Wenn ich jetzt nochmal die Frage stelle "Ist Rock tot" antworte ich weiterhin, nein, aber für mich wird er immer bedeutungsloser werden, gerade da unsere Generationen in absehbarer Zeit nicht mehr unserem geliebten Hobby nachgehen werden (können).


Ars Longa Vita Brevis
Benutzeravatar

Kröter
Beiträge: 4842
Registriert: So 16. Apr 2023, 00:35
Wohnort: Ruhrpott / Allgäu
Has thanked: 1696 times
Been thanked: 5013 times
Kontaktdaten:

Re: Planet Streitfrage: Ist Rock tot?

Beitrag von Kröter »

Nein, Rock ist nicht tot.
Es herrscht einfach ein Überangebot, welches durch KI sogar noch um ein Vielfaches gesteigert wird. Dadurch fehlen meiner Meinung nach aber umgekehrt die wirklich herausragenden Bands, die es "früher" in nahezu jedem Musik-Genre gab. Die Bands, die in "meinem" Bereich die letzten 20, 30 Jahre vorherrschend waren und die großen Stadien vollgemacht haben, sterben langsam aus... Metallica, Slayer, Iron Maiden und Konsorten kommen alle ins Rentenalter bzw. haben schon mehr oder weniger aufgehört. Bands dieser Größenordnung wird es danach nicht mehr geben. Nicht, weil diese neuen Bands nicht die entsprechende Qualität aufweisen, sondern weil in der heutigen Gesellschaft alles auf Kurzlebigkeit ausgerichtet ist und es nur um "höher, schneller, weiter" geht.
Es gibt durchaus neue charismatische Bands, man muss sie nur entdecken. Auch hier kann ich nur meinen Bereich beurteilen. Aber ich entdecke jedes Jahr neue Bands, die frisch und innovativ sind, große musikalische Fähigkeiten haben und den Spirit von früher ins sich haben und weitertragen. Spontan fallen mir da Bands wie Green Lung, Wyatt E. und Jools ein.
Im Black Metal gab es schon immer und gibt es auch heutzutage eine große Untergrundszene. Ab und an werden Bands nach oben gespült, die dem Genre wirklich Innovation verleihen (das Rad neu erfinden kannste in dem Bereich nicht mehr). Die Szene in Trondheim z.B. ist zwar sehr klein, aber bringt immer Qualität zum Vorschein. Aber um diese neuen Strömungen wirklich mitzukriegen muss man halt nah dran bleiben an der Szene und kleine Konzerte besuchen. Ich werde auch nicht jünger und weiß nicht, wie lange ich das noch in dem Maße mitmachen kann. Bis jetzt geht's noch und von daher sehe ich dann auch jedes Jahr aufs Neue, dass Rock (mit all seinen Ausläufern) definitiv nicht tot ist. Er verändert sich, das ganz sicher. In vielen Bereichen geht man auch einfach auf "Nummer sicher" und macht lieber die schnelle Mark. Aber Hartnäckigkeit und Innovation werden nach wie vor belohnt. Es ist nur ungleich schwerer als früher, als der Markt noch für jedermann überschaubar war.
Benutzeravatar

Hawklord
Beiträge: 2391
Registriert: Do 4. Apr 2024, 10:10
Wohnort: Grösste Stadt Mittelfrankens
Has thanked: 7146 times
Been thanked: 3104 times

Re: Planet Streitfrage: Ist Rock tot?

Beitrag von Hawklord »

Sowohl Sirius als auch Kröter haben sehr gut ausgedrückt was ich auch denke. Die Bands werden älter, die Fans auch. Und gute kleine Locations, die vor allem auch auf ältere Fans Rücksicht nehmen, die nicht mehr 2 Stunden stehen können, werden weniger.
Ich werde zum Beispiel Marillion nicht stehend beim Open-air an meinem Wohnort besuchen, sondern ich fahre rund 200 Kilometer nach Frankfurt, wo ich in einer angenehmen Halle sitzen kann. Ähnlich verhält es sich bei Joe Bonamassa, wo ich die SAParena in Mannheim der Arena in Nürnberg vorziehe. Und über die völlig überflüssige Bestuhlung bei Uriah Heep im letzten November habe ich schon geschrieben. RPWL würde ich z.B. sehr gerne mal live erleben, aber eben nur Stehplätze.
Benutzeravatar

Alexboy
Beiträge: 3500
Registriert: Sa 15. Apr 2023, 12:44
Has thanked: 6084 times
Been thanked: 5579 times

Re: Planet Streitfrage: Ist Rock tot?

Beitrag von Alexboy »

Rock, so wie ich ihn kenne, war immer ein Nischenprodukt, da POP alles bedient hat, was sich " der Otto-Normalhörer " so gegönnt hat. :twisted:
Die Geschmäcker im Musikbusiness haben sich auch laufend geändert - nicht immer zum Besseren - :twisted: , und die zur Zeit hausgemachten Produktion der Veröffentlichungen tragen auch nicht unbedingt zur Qualität bei. :roll:
Für mich macht es einen großen Unterschied, ob die Musiker zusammen sitzen und ihre Werke präsentieren, oder nur ihre selbst aufgenommenen Teile am Ende zusammenfügen lassen. Ausnahmen bestätigen wie üblich die Regel. :twisted:
Es hat immer Musiker gegeben, welche Rock live öffentlich vorgetragen haben. Und diese wird es meiner Meinung nach noch einige Zeit geben, ohne den Blick auf das ganz Große Geld, einfach zum Spaß!

Rock ist nicht tot, nur die goßen Summen, welche ab den 60ern umgesetzt wurden sind Vergangenheit. Und so lange die Musikindustrie andere Kühe melken kann, wird sich daran auch nichts ändern.
Denn die Industrie war immer - wie Zappa mit seinen Müttern so schön schrieb:

We're Only In It For The Money! :twisted:
Burn down the mission:Elton John
- No prophecies - I might lose my head, or worse - Manche meinen es gut! Andere glauben sie wollen mein Bestes - Ich bin sicher ich weiß es besser.
Eine Zensur findet nicht statt
Artikel 5 GG-
Benutzeravatar

Pavlos
Beiträge: 752
Registriert: So 9. Apr 2023, 19:17
Has thanked: 2375 times
Been thanked: 1258 times

Re: Planet Streitfrage: Ist Rock tot?

Beitrag von Pavlos »

Tot nicht, aber langweilig. Zumindest größtenteils. Es war ja schon alles da, und das schon seit langem. Neues, erfrischendes hört man immer seltener, irgendwann hat man es sich auch als Hörer bequem gemacht und an die ständigen Wiederholungen gewöhnt. Ist nicht schlimm, aber die Revolution, die Rock früher einmal war, ist futsch. Früher hat er Angst und Schrecken ausgelöst, heute gibt es AC/DC Strampler bei H&M. Ich bin froh, zu einer Zeit in die Musik eingetaucht zu sein, als Rock und Metal noch als "gefährlich" galten. Einerseits, weil man Teil von etwas Großartigem war, dass ständig "Dagegen!!" kreischt, andereseits, weil unser Wohlstand heute keine Revolution nötig hat. Und irgendwie will ich mit fast 50 auch meine Ruhe haben, haha.......
Benutzeravatar

Dudesogood
Beiträge: 65
Registriert: Fr 18. Okt 2024, 14:49
Has thanked: 19 times
Been thanked: 71 times

Re: Planet Streitfrage: Ist Rock tot?

Beitrag von Dudesogood »

Jeder der Kinder hat kann bestätigen, das Rock heutzutage nicht mehr die Relevanz von früher hat. Vielleiht einige (halb)jüngere Bands wie z.B. die Foo Fighters oder Green Day (auch schon älter) - diese müssen sich halt neben aktuellen Musikstilen wie Hip Hop oder (immer noch?) Techno behaupten. Wenn das Geld der Rentner für Wucherpreiskonzerttickets (aktuell Rush) verbraten wird, bleibt für den Nachwuchs keine Chance.
Persönlich würde ich ja gerne mal ein Ravekonzert besuchen, stehen und mich bewegen macht mir auch nichts aus. Aber die mitleidigen Blicke "Jetzt kommen sie auch schon zum sterben hierher" der Gemüsefraktion kann ich kaum ertragen! Vielleicht sollte man das Ganze einfach mit mehr Humor nehmen? ;-)
"Alles, was eine Funktion hat, ist ersetzbar. Unersetzlich ist nur, was zu nichts taugt", Adorno
Benutzeravatar

Louder Than Hell
Beiträge: 13828
Registriert: So 16. Apr 2023, 18:01
Wohnort: Norddeutschland
Has thanked: 16750 times
Been thanked: 15800 times

Re: Planet Streitfrage: Ist Rock tot?

Beitrag von Louder Than Hell »

Dudesogood hat geschrieben: Mi 25. Feb 2026, 21:43 Jeder der Kinder hat kann bestätigen, das Rock heutzutage nicht mehr die Relevanz von früher hat. Vielleiht einige (halb)jüngere Bands wie z.B. die Foo Fighters oder Green Day (auch schon älter) - diese müssen sich halt neben aktuellen Musikstilen wie Hip Hop oder (immer noch?) Techno behaupten. Wenn das Geld der Rentner für Wucherpreiskonzerttickets (aktuell Rush) verbraten wird, bleibt für den Nachwuchs keine Chance.
Persönlich würde ich ja gerne mal ein Ravekonzert besuchen, stehen und mich bewegen macht mir auch nichts aus. Aber die mitleidigen Blicke "Jetzt kommen sie auch schon zum sterben hierher" der Gemüsefraktion kann ich kaum ertragen! Vielleicht sollte man das Ganze einfach mit mehr Humor nehmen? ;-)
Die mitleidigen Blicke sind mir schon vor gut 20 Jahren in der Form entgegengebracht worden. Ein Junghuhn sprach mit wörtich an, ob ich mich nicht doch mehr zu der Musik bewegen könnte. Dazu muss ich anmerken, dass es sich um ein Metalkonzert handelte und der Laden (das Hamburg Docks) gerappelt voll war. Neben der aufkommenden und sich verbreitenden Hitze hatte ich auch schon mit Steherei zu kämpfen. Zudem hatte ich den ganzen Tag gerabeitet und war direkt vom Arbeitsplatz auf dem Kiez zur Lokation gegangen. Und hier kamen die von mit überhaupt nicht wertgeschätzte Attribute zusammen:
Stundeslanges Stehen, eine publikumsbedingte Enge, Ungeduld, Wärme und Gedränge. Seitdem habe ich nur Konzerte wahrgenommen, wo man beqeum sitzen konnte und ein guter Überblick garantierten wie z. Beispiel Tom Petts & Heartbreaker oder Clapton & Winwood.
Antworten

Zurück zu „Musikthemen“