
Rita Ray – Old Love Will Rust
Auf dem Plattenteller dreht sich Soul aus dem Jahr 2019. Doch wer zum ersten Mal in das Debüt von Rita Ray hineinhört, wird unweigerlich fragen: Ist diese Musik wirklich aus unserer Zeit? Der Sound vermittelt das unmittelbare Gefühl, in den 60er- oder 70er-Jahren gelandet zu sein – auch wenn die Präzision der Produktion ein dezenter Hinweis auf das Hier und Jetzt bleibt.
Rita Rays Stimme ist eine Entdeckung: kraftvoll, rauchig und von einer beeindruckenden Kontrolle. Sie liefert Retro-Soul erster Güte. Vergleiche mit Legenden wie Aretha Franklin oder Amy Winehouse liest man oft; ich möchte mich da noch etwas zurückhalten, bleibe aber dabei: Es ist eine der überzeugendsten Stimmen der letzten Jahre.
Die Musik klingt wunderbar organisch und „echt“. Statt auf elektronische Spielereien setzt Rita Ray auf klassisches Handwerk: echte Bläsersätze, Streicher und eine traditionelle Band-Besetzung. Das Ergebnis ist eine fesselnde Mischung aus melancholischem Blue-Eyed-Soul und tanzbaren R&B-Rhythmen.
Old Love Will Rust schlug in der Indie-Szene völlig zu Recht hohe Wellen. Es ist ein klassisches Soul-Album, das Herzschmerz und Hoffnung perfekt einfängt. Besonders charmant ist die herrlich „staubige“ Attitüde: Das Album klingt, als wäre es in einem legendären Studio in Memphis oder Detroit aufgenommen worden – tatsächlich entstand es jedoch im estnischen Tallinn.
Genau dieser Kontrast macht den Reiz aus: Es ist kein klinisch reiner Pop, sondern Musik mit Ecken, Kanten und einer warmen, organischen Textur.
Die Highlights des Albums
„Lover’s Home“: Ein perfekter Opener. Er etabliert sofort ihren Sound – treibender Bass, punktgenaue Bläser und eine Stimme, die mühelos zwischen Verletzlichkeit und purer Kraft wechselt.
„Old Love Will Rust“: Der Titelsong ist eine bittersüße Ballade, die ihr Songwriting-Talent unterstreicht. Der Song thematisiert das Verblassen von Gefühlen, ohne jemals in den Kitsch abzudriften.
„Little Miss Lovin’“: Hier wird es deutlich grooviger. Der Track zeigt Rita Rays enorme rhythmische Präsenz und besitzt fast schon funkigen Charakter.
Fazit
Old Love Will Rust ist ein beeindruckendes Debüt, gerade weil es nicht versucht, zwanghaft modern zu klingen. Es ist zeitlos. Rita Ray kopiert den Retro-Soul nicht einfach – sie lebt ihn. Die Arrangements sind dicht und hochwertig, lassen ihrer Stimme aber immer genug Raum zum Atmen.











