Aber es sind ja nicht nur diese zwölf Top Acts. Es stellt sich ja auch die Frage, was für ein Album da jeweils gewählt werden soll. Es sind eben gleich auch noch Artisten, die eine grosse Menge an hervorragenden Platten veröffentlicht haben und deren Musikschaffen teilweise bis heute andauert. Ich erlaube mir bestimmt nicht den Spass, hier die vermeintlichen „Unverzichtbaren“ zu listen, sonst habe ich hier bald nur noch Feinde.
Seht es mir hier deshalb nach, wenn ich für einmal die sogenannte ‚musikalische Relevanz‘ aussen vor lasse, denn darüber braucht man eh nicht diskutieren - bei diesen Namen! Diesmal also ein Runde rein aufgrund meines eigenen persönlichen Geschmacks, in der Hoffnung, dass ich damit nicht gänzlich danebenhaue. Dadurch kommt zum Beispiel Mike Oldfield’s Magnum Opus „Tubular Bells“ ins Spiel, und zwar deshalb, weil das „alternative“ Meisterwerk „Ommadawn“ bereits in einer früheren Poll Runde gesetzt war und schon in die Endrunde eingezogen ist - schön blöd, oder ?
Fleetwood Mac’s „Then Play On“ bot sich geradezu als alternatives Meisterwerk an, denn die in jenem Jahr veröffentlichte Single „Oh Well“ war auf dem Album nicht drauf. Noch heute denke ich, das wär ein Song gewesen, der unbedingt auf dieses Album gehört hätte. Das 74er Album „Positive Vibrations“ erspare ich Euch, obschon es mein persönliches Lieblingsalbum von Alvin Lee und Co. Ist. Aber das Werk kam damals dermassen schlecht sowohl bei Kritikern, wie Fans weg, dass ich mich da spontan auch für ein Livealbum entschieden habe. Und zwar nicht mal das sehr erfolgreiche und bekannte „Recorded Live“, das ich zugegebenermassen auch sehr sehr gut finde - sondern für das zum Zeitpunkt der Aufnahme unveröffentlicht gebliebene Live Spektakel „Live At The Fillmore East 1970“, das erstmals 2001 erschien. Es zeigt meiner Ansicht nach Ten Years After auf dem Höhepunkt ihrer Kreativität und besitzt noch diese rohe Kraft, die unbändige Lust am Improvisieren und überzeugt durch einen klasse Gesamtklang.
Die Ramones haben ja nur tolle Scheiben gemacht, die alle gleich klingen. Darum hier das Debütalbum, mit welchem meine Liebe zu dieser meiner Meinung nach völlig falsch verstandenen Band angefangen hat. Bis heute weigere ich mich, die Ramones als Punk Band zu bezeichnen. Ihr Mix aus Power Pop und archaischem Rock’n’Roll war stets hochmelodiös und hatte mit kotzendem Strassenköter-Primitivismus und Stecknadel-Grazie absolut gar nichts zu tun. Schlimm war für mich die Nomination eines Gov’t Mule Albums. Herrgottimhimmel, da habe ich so viele absolute Top-Alben, die meisten davon live und alle finde ich sie hervorragend. Dass ich die Konzertaufnahme mit dem Jazzgitarristen John Scofield gewählt habe, hat den Grund, dass dieses Ereignis aus meiner Sicht am besten die Vielseitigkeit und Offenheit von Gov’t Mule auf beeindruckende Weise demonstriert. Gastmusiker waren bei Events von Gov’t Mule ja immer schon Tradition, aber hier hatte Warren Haynes einen Grossmeister der Jazzgitarre an seiner Seite und ich kann heute noch, nach so vielen Hörsessions, nur immer noch staunen, wie gut die beiden Musiker zusammen den Moment geniessen konnten.
Colosseum live ist ein weiteres Livealbum, das ich für diese Runde nominiert habe. Ich dachte zuerst, dass es Album eins oder zwei sein sollte, doch als ich dann nochmal überlegte, kam ich zum Schluss: Colosseum hatte hier nicht einfach nur eine brilliante Live-Performance hingelegt, dieses Doppelalbum war gleichzeitig auch das riesengrosse Abschiedsgeschenk einer der herausragenden Jazzrock Gruppen jener Zeit, die sich kurz nach der Veröffentlichung dieses Albums trennte und erst ab 1994 wieder zusammenarbeitete.
Wusstet Ihr, dass Dr. Feelgood’s erstes Album „Down By The Jetty“, 1975 veröffentlicht, in seiner ersten Version ein Mono Album war ? Der Druck der Songs auf diesem Album war extrem, der Sound minimal und furztrocken und gilt für mich bis heute als Brückenschlag zwischen Pub Rock und dem harten britischen Rhythm’n’Blues, den man aus dem England der mittleren 60er Jahre kannte. Dem Album folgten etliche weitere brilliante Werke, doch dieser spröde Rock, geprägt von Wilko Johnson’s effektloser, harter Gitarre begeistert mich bis heute. Hawkwind Freunde mögen es mir nachsehen, dass ich mich für „Doremi Fasol Latido“ entschieden habe. Aber in diesem Falle gilt fast dasselbe wie für Fleetwood Mac’s LP „Then Play On“: der ziemlich zeitgleich erschienene Single-Hit fehlte auf dem Album - im Falle von Hawkwind war das die „Silver Machine“. Diesen einzigen grossen Hit von Hawkwind gab es übrigens erst 1976 zum erstenmal überhaupt auf einem Album zu hören: auf der Compilation „Roadhawks“, jener Best Of Zusammenstellung, welche das vielleicht schönste Artwork einer Compilation überhaupt präsentierte.
Bei den verbleibenden drei Gruppen Passport, Talking Heads und Procol Harum habe ich jene drei Alben ausgewählt, die mir von diesen drei Gruppen schon immer am besten gefallen haben. Auch bei diesen drei Hall of Fame Mitgliedern hätten sich etliche ihrer Alben als alternative Meisterwerke der Musikgeschichte anerboten.
Eine grosse Gemeinheit kann ich Euch leider auch diesmal nicht ersparen:
Ihr dürft wieder nur 6 Alben von den 12 Gelisteten mit minimal 1 und maximal 3 Punkten bewerten. Eine Runde weiter kommen die 6 Alben mit den meisten Punkten.
Augen…äähhh Ohren zu und durch…
