[REVIEW] Doug Sahm And Band • Doug Sahm And Band (1973)

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Beatnik
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[REVIEW] Doug Sahm And Band • Doug Sahm And Band (1973)

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Doug Sahm, mit gebürtigem Namen Douglas Wayne Sahm gilt bis heute als wichtigste Figur des sogenannten Tex Mex-Stils. Er war vor allem bekannt als Leader des Sir Douglas Quintet und später der Texas Tornados. Doug Sahm begann seine Karriere als Wunderkind der Countrymusik. Schon im Alter von 6 Jahren trat er in lokalen Radioshows auf. Im Dezember 1952 stand der 11-Jährige mit Hank Williams auf der Bühne, nur wenige Wochen vor dessen Tod. Mit 13 Jahren machte er als Little Doug Sahm seine erste Plattenaufnahme "A Real American Joe" und spielte bereits Gitarre, Steel-Gitarre, Mandoline und Geige. Es heisst, Sahm sei schon damals ein regelmässiger Auftritt in der Grand Ole Opry angeboten worden, doch seine Mutter habe darauf bestanden, dass er zuerst die Schule beendet. Ab 1957 gründete Sahm diverse Bands mit Namen wie The Markays, The Spirits, The Knights und The Pharaos, spielte in den Clubs San Antonios und nahm für einige lokale Labels auch Singles auf, so etwa "Crazy Daisy" (1959), "Can't Believe You Wanna Leave" (1959) und "Sapphire" (1961) für das Label Harlem Records.

Auf Anregung des Produzenten Huey Meaux gründete Sahm 1964 das Sir Douglas Quintet, das mit "She’s About A Mover" und "The Rains Came" erste Hits hatte. Nach dem Umzug in die Hippie-Metropole San Francisco folgten beim Label Mercury Records mit "Mendocino" (1969), "Dynamite Woman" (1969) und "Nuevo Laredo" (1970) weitere Hits. Unter dem Pseudonym Wayne Douglas veröffentlichte Sahm 1970 die in Nashville eingespielte Country-Single "Be Real". 1973 nahm Produzent Jerry Wexler Sahm für Atlantic Records unter Vertrag, ohne sein Quintet. Das dort mit den Gastmusikern David 'Fathead' Newman, Dr. John, Bob Dylan, David Bromberg und Flaco Jimenez eingespielte Album Doug Sahm And Band gilt, obwohl es nur Platz 125 der US-Charts erreichte, als Meilenstein des Tex Mex. Mit "Texas Tornado" folgte unter dem Bandnamen Sir Douglas Band ein zweites Album für Atlantic Records.

"Doug Sahm And Band" war auch das erste Soloalbum von Doug Sahm. Im Jahre 1972, nach dem Verlassen des Sir Douglas Quintet, zog Sahm nach Austin, Texas. Er wurde von Jerry Wexler zu der neu eröffneten Country-Musikabteilung von Atlantic Records unter Vertrag genommen und begann die Album-Sessions im Oktober 1972. Zahlreiche hochkarätige Gastmusiker wurden eingeladen, sodass das Album am Ende Auftritte von Bob Dylan, Dr. John, David "Fathead" Newman, Flaco Jiménez, David Bromberg und Kenny Kosek präsentierte. Das Album erhielt nach der Veröffentlichung gemischte Kritiken und verkaufte sich eher schlecht. Das Album wurde in späteren Kritiken wesentlich positiver bewertet. Nach einer Reihe von Erfolgsaufnahmen in den späten 60er Jahren trennte sich das Sir Douglas Quintet 1972. Doug Sahm, der damals in San Francisco lebte, beschloss, nach Texas zurückzukehren und zog nach Austin. Die aufkeimende alternative Musikszene der Stadt umfasste Künstler wie Willie Nelson und Jerry Jeff Walker. Veranstaltungsorte, die von Sahm frequentiert wurden, waren der Soap Creek Saloon und das Armadillo World Headquarters. Jetty Wexler, damals der Produzent von Atlantic Records, interessierte sich für die Entwicklung dieser alternativen Szene und gründete eine entsprechende Country & Western Division bei dem Label. Wexler nahm Doug Sahm kurz darauf unter Vertrag.

Die Aufnahmesessions von Sahm, Wexler und Arif Mardin fanden in den ersten zwei Wochen des Oktober 1972 in den Aufnahmestudios von Atlantic Records in der West 60th Street in New York statt. "Is Anybody Goin' To San Antone" eröffnete das Album. Das Stück begeisterte durch die beiden Fiddeln, gespielt von Doug Sahm und Ken Kosek, sowie der Steelgitarre von Charlie Owens, während Bob Dylan eine der Chorstimmen beisteuerte. Dylan sang auch sehr harmonisch in "It's Gonna Be Easy", einer Nummer, geschrieben von Atwood Allen, während Allen und Sahm die Hauptstimmen quasi als Duett sangen. Dann kam auch eine von Newman, Wayne Jackson und Willie Bridges gestellte Bläsergruppe zum Einsatz, welche Doug Sahm bei der Bluesnummer "Your Friends" unterstützte. In "Poison Love" wurde der Gesang von Sahm ergänzt durch Flaco Jimenez am Akkordeon und Augie Meyers am Klavier, David Bromberg am Dobro und Andy Statman an der Mandoline. Die Komposition "Wallflower" aus der Feder von Bob Dylan war eine gemeinsam gesungene Variante von Sahm und Dylan. In "Dealer's Blues" setzten Jack Walrath, Martin Fierro und Mel Martin erneut mit ihren Blasinstrumenten die entscheidenden Akzente.

Kosek spielte mit Sahm und den beiden Fiddeln auch im Covertitel "Faded Love" von Countrylegende Bob Wills. Bob Dylan sang ausserdem in "Blues Stay Away From Me" wiederum mit Doug Sahm gemeinsam die Leadstimme und spielte auch ein Gitarrensolo. T-Bone Walker's "Papa Ain't Salty Anymore" und Willie Nelson's "Me And Paul" folgten. Newman wiederum begeisterte in "Do Not Turn Around", gefolgt von dem abschliessenden "I Get Off". Das Album erschien im Januar 1973. Die Singles waren "Is Anybody Goin 'To San Antone" und "It's Gonna Be Easy". Die Kritiker waren sich uneins über das Werk. Einige hoben die Relevanz des Albums alleine durch die Mitarbeit von Bob Dylan heraus. Robert Hilburn von der Los Angeles Times schrieb in seiner damaligen Rezension beispielsweise: "Es gibt einige ziemlich gewöhnliche Momente auf dem Album, aber da sind auch einige Tracks, auf die man nicht verzichten sollte". Ein Rolling Stone Magazine Musikkritiker erklärte, dass Sahm auf 'einem vergessenen Album ins Stocken geraten' sei. Robert Christgau bewertete das Album "B-", nannte Sahm zwar ein Talent, aber kein Genie und meinte, dass die begleitenden Künstler ihn nur hemmten. Spätere Kritiken lobten das Album aber. Allmusic bewertete das Album mit fünf von fünf Sternen, und der Kritiker Stephen Thomas Erlewine kam zu dem Schluss: "Das ist eine Musik, die anschaulich, aufregend lebendig ist und Sahm auf einem Höhepunkt zeigt. Es ist unwiderstehlich". Der Vinyl District bewertete das Album 'A' und meinte, dass es ein sofortiger Klassiker sei - energisch und ekstatisch.

Danach veröffentlichte Sahm bei verschiedenen Labels Platten mit unterschiedlichen stilistischen Schwerpunkten. Das rockige "Groover’s Paradise" (1974) mit Stu Cook und Doug Clifford von Creedence Clearwater Revival, das Country-Album "Texas Rock For Country Rollers" (1975), eine erneute Zusammenarbeit mit Produzent Huey P. Meaux und die Bluesplatte "Hell Of A Spell" (1980), ein Tribut an sein Vorbild Guitar Slim. In den 80er Jahren reformierte Doug Sahm sein Sir Douglas Quintet für Veröffentlichungen beim schwedischen Label Sonet Records, nahm weiterhin Solo-Material auf und gründete die Rockabilly-Formation Texas Mavericks und mit Amos Garrett und Gene Taylor die Formerly Brothers. 1989 gründete Sahm mit Freddy Fender, Flaco Jimenez und Augie Meyers die Tex Mex Supergroup Texas Tornados, mit denen er bis 1999 vier Studioalben, eine Live-Platte und eine Best Of-Zusammenstellung veröffentlichte. Dazwischen kam es 1994 zu einer erneuten Reunion des Sir Douglas Quintets. Ebenfalls 1994 wurde Sahms Album "The Last Real Texas Blues Band", eine erneute Hommage an den Texas Blues von T-Bone Walker, für einen Grammy nominiert.

Doug Sahm starb am 18. November 1999 in einem Hotelzimmer an einem Herzinfarkt. Im Jahr darauf erschien posthum sein letztes Album "The Return Of Wayne Douglas", das stilistisch eine Rückkehr zu seinen Country- und Western Swing-Wurzeln bedeutete. Doug Sahms Söhne sind ebenfalls im Musikgeschäft tätig. Shawn Sahm, der schon in den 80er Jahren Gitarre beim Sir Douglas Quintet spielte, wandelt mit seiner Band Tex-Mex Experience stilistisch auf den Spuren des Vaters und veröffentlichte die Solo-CD "Shawn Sahm" im Jahre 2002. Shandon Sahm, der jüngere Bruder, war als Schlagzeuger Mitglied der Rockband Meat Puppets und veröffentlichte das Soloalbum "Good Thoughts Are Better Than Laxatives" ebenfalls 2002.







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BRAIN
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Re: [REVIEW] Doug Sahm And Band • Doug Sahm And Band (1973)

Beitrag von BRAIN »

Ich habe 3 CDs und 2 LPs mit "Doug Sahm", diese hier ist mir aber vom Cover her noch nicht aufgefallen.
Clips gefallen mir ausgezeichnet, auch da muss ich dran bleiben.
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Louder Than Hell
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Re: [REVIEW] Doug Sahm And Band • Doug Sahm And Band (1973)

Beitrag von Louder Than Hell »

Das Doug Sahm auch auf bluesigen Wegen unterwegs war, ist mir bisher nicht bekannt gewesen. Allerdings bin ich auch kein Fachmann betreffend seiner Person.

Die Clips haben mir aber gefallen und werde das Album ähnlich wie Brain im Auge behalten.

Abermals schöne Rezi. :yes:
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