King Bronkowitz hat geschrieben: ↑Sa 25. Mai 2024, 09:39
Weswegen sich die Kids auf dem "platten Land" selbst helfen mußten. Dann wurden Fanzines gemacht, in großem Stil Platten und Tapes getauscht, oder man gründete seine eigenen Bands; weil man kaum Möglichkeiten hatte, gute Bands zu sehen, hat man seine Festivals und Vergnügungen selbst veranstaltet, und wenn es nur ein Konzert mit drei Punkbands vor vierzig Leuten in einer Grillhütte war. Das hat uns - Dorfkind, daß ich selbst war - insofern weitergebracht, daß es uns selbständiger gemacht hat, weil wir uns alles selbst organisieren mußten.
"Im Laufe der Jahrzehnte habe ich schon sehr oft bemerkt und auch spüren müssen, daß der Mainstream -egal in welchem Jahrzehnt- per se als Teufelswerk abgetan wurde."
King Bronkowitz hat geschrieben: ↑Sa 25. Mai 2024, 09:39Das war er für uns damals definitiv, denn das war Spießermusik. Alles andere wäre gelogen. Hätten wir nicht gegen irgendwas rebelliert, wären auch keine Subkulturen entstanden, insofern war das notwendig, auch wenn da ein gerüttelt Maß an Arroganz und Ignoranz mitspielte.
Doch auch wir sind mittlerweile älter geworden, weit über 40 oder - wie ich und die meisten meiner damaligen FreundInnen - Ü50.
Du wirst es kaum glauben, es mag auch Altersmilde sein: aber gerade die Beschäftigung mit allerlei Subkulturen und die Ablehnung, die wir damals von der breiten Masse erfahren haben, haben uns in den meisten Fällen toleranter gegenüber anderen Musikhörern und Lebensformen gemacht. Ich für meinen Teil wäre vor 30 Jahren niemals auf die Idee gekommen, mich in einem solchen Forum anzumelden, jetzt komme ich hier prima klar.
Ich bin froh, das genau so mitgemacht zu haben, denn es hat mich zu dem gemacht, der ich heute bin.
Du bist mindestens 12 oder 13 Jahre jünger als ich, bist Du sicher, daß Du als Früh- bis Mittel-Teenie in den 1980ern in größerem Umfang -auch was Musik angeht- "rebelliert" hast bzw. in Subkulturen abgetaucht bist?

Oder doch eher ein lockeres Jahrzehnt später?
Ich möchte allerdings durchaus behaupten wollen, daß in den 1980ern so einiges an Spießermusik im Mainstream gab, aber es gab auch jede Menge Mainstream, der definitiv keine Spießermusik war bzw. großteils immer noch ist. Wobei man natürlich irgendwie definieren müsste, was man so allgemein und in den 1980ern speziell unter Spießermusik verstehen soll, kann oder darf.
Dort, wo ich zuhause war (Saarland) gab es in den 1980ern keine Subkulturen oder "Rebellennester", die den Namen verdient hätten. Es sei denn sie "kulturten" in so kleinen Nischen, daß man sie gar nicht wahrgenommen hatte. Es gab ein paar aus den 1970ern übriggebliebene Jugendzentren, aber keine Clubs oder Mini-Hallen, in denen irgendwelche Thrash-Metaller oder ähnliche Leute vor 30 oder 40 Zuhörern Krach machten.
Vielleicht gab es sowas im ländlichen Baden, oder im Westerwald....oder in der südlichen Eifel...keine Ahnung.
Es kommt -wie so oft- auf die Gegend an, auf das persönliche Umfeld und die verschiedenen Sozialisationen und Prägungen. Von daher kann zugegeben "auf dem platten Land" nicht immer, überall und generell als musikalische Diaspora mit Spießermuff betrachtet werden. Manchmal hörte man als junger Mann / junge Frau von Anfang 20 auch nur gerne Musik, die hochmelodisch war, tierisch Power hatte und in aller Regel wahnsinnig in die Beine ging....sowas soll es geben, auch ohne den leichten Geruch von Spießertum.