Planet Streitfrage: Ist Rock tot?

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BRAIN
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Planet Streitfrage: Ist Rock tot?

Beitrag von BRAIN »

Planet Streitfrage: Ist Rock tot?

Diese These hört man seit Jahren:
„Rock ist tot.“
Keine Relevanz mehr. Keine großen Bands. Keine Bewegung. Nur noch Nostalgie.

Aber stimmt das wirklich?

Diskussionsfragen:
- Ist Rock kulturell bedeutungslos geworden?
- Fehlen charismatische neue Bands?
- Hat Streaming das Genre entkernt?
- Oder ist Rock einfach nur aus dem Mainstream verschwunden?

Wichtig:
Keine Einzeiler. Keine Floskeln.
Begründet eure Meinung konkret – mit Beispielen.

Meine These:
Rock ist nicht tot. Aber er ist bequem geworden.
Weniger Risiko. Weniger Provokation. Mehr Retro.

Jetzt ihr:
Ist Rock tot – oder nur älter geworden?
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Sirius
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Re: Planet Streitfrage: Ist Rock tot?

Beitrag von Sirius »


Ist Rock tot ?
Nein, aber er hat nicht mehr die Relevanz früherer Jahrzehnte.
Die Generationen, die mit der Musik der 60er, 70er und 80er aufgewachsen sind, haben auch den Erfolg der Rockmusik getragen - und tun es noch heute. Aber genau wie die Helden dieser Zeit, werden auch die Liebhaber immer weniger, und die Generationen, die nachwachsen, wachsen in einer veränderten Welt auf. Letztes Jahr wurden in Deutschland mehr Vinylalben als CDs verkauft, aber im Vergleich zum Streaming werden physische Tonträger langsam aber sicher bedeutungslos. Streaming wird vielen neuen Bands das Leben und Überleben schwer bis unmöglich machen, hier die Zahlen zum Streaming und die Verdiensmöglichkeiten :
https://www.stereo.de/ratgeber/musikstr ... g-musiker/
Bild
Eine Million mal muss ein Song gestreamt werden, um damit minimal 3.000$ bis maximal 18.000$ zu verdienen, wobei QOBUS und Tidal dabei noch die erfeulichen Ausnahmen darstellen, Spotify; Amazon und die anderen großen Anbieter beuten die Künstler aus.

Topacts werden auch mit Streaming gut leben können, aber viele kleine Bands eben nicht. Durch Streaming hat sich auch der Besuch von Konzerten überproportional verteuert, früher tourten Bands um ihe Alben zu promoten, heute promoten Bands mit ihren Alben die anschließende Tour, denn nur da lässt sich gerade für kleiner Acts noch genug Geld verdienen, für mich selbst war es immer sehr wichtig, meine Lieblingsbands auch live erleben zu können, dadurch wurde die Bindung auch verstärkt, für junge Leute ist es dagegen heute schwierig, die hohen Ticketpreise zu stemmen. Ich habe es ja mal an anderer Stelle erwähnt, dass mir Paul Cook und Peter Nicholls von IQ nach einem Konzert in Aschaffenburg erzählten, dass die Band noch nie von den Verkäufen ihrer Alben leben konnte, es reichte meistens nur für neues Equipment und die Produktion des nächten Albums, alle Bandmitglieder gehen einem Beruf nach, für Touren wird der Urlaub geopfert. Es ist Liebe zur Musik, und die Liebe der Fans zur Band, dass sie immer wieder auch nach Deutschland kommen, mit Geld kaum aufzuwiegen. Der Versuch von mir, an Verkaufszahlen der Pineapple Thiefs zu kommen, ist gescheitert, es gibt einfach keine, ich denke, da wird es ähnlich wie bei IQ und vielen anderen Bands laufen, dass es die Liebe zur Musik ist, dass uns solche Bands dennoch über Jahrzehnte mit ihrer Kunst beglücken.
Vor Jahren habe ich versucht den zwei Jungs meiner Nachbarn, die ich seit ihrer Geburt kenne, die Rockmusik näher zu bringen, sie waren beide sehr an meiner Anlage interessiert. Aber weder Pink Floyd, Led Zeppelin, Santana oder Marillion konnte echtes Interesse wecken (Langweilig, passiert da auch mal was ...), der jüngere hörte irgendwann ständig Hip Hop (für mich im Prinzip gar keine richtige Musik), der ältere lässt sich durch zufällige Wiedergabe bei Spotify berieseln. Formate wie TikTok werden junge Menschen von der konventionellen Art Musik zu hören noch weiter entfernen. Es wird aber sicherlich immer wieder auch neue Fans geben, die Interesse an der klassischen Rockmusik finden, allerdings weiß man heute noch nicht wirklich, wohin die Entwicklung noch gehen wird, gerade im Hinblick auf Social Media, Streaming und auch die KI wird vieles verändern.

Wenn ich jetzt nochmal die Frage stelle "Ist Rock tot" antworte ich weiterhin, nein, aber für mich wird er immer bedeutungsloser werden, gerade da unsere Generationen in absehbarer Zeit nicht mehr unserem geliebten Hobby nachgehen werden (können).


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Kröter
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Re: Planet Streitfrage: Ist Rock tot?

Beitrag von Kröter »

Nein, Rock ist nicht tot.
Es herrscht einfach ein Überangebot, welches durch KI sogar noch um ein Vielfaches gesteigert wird. Dadurch fehlen meiner Meinung nach aber umgekehrt die wirklich herausragenden Bands, die es "früher" in nahezu jedem Musik-Genre gab. Die Bands, die in "meinem" Bereich die letzten 20, 30 Jahre vorherrschend waren und die großen Stadien vollgemacht haben, sterben langsam aus... Metallica, Slayer, Iron Maiden und Konsorten kommen alle ins Rentenalter bzw. haben schon mehr oder weniger aufgehört. Bands dieser Größenordnung wird es danach nicht mehr geben. Nicht, weil diese neuen Bands nicht die entsprechende Qualität aufweisen, sondern weil in der heutigen Gesellschaft alles auf Kurzlebigkeit ausgerichtet ist und es nur um "höher, schneller, weiter" geht.
Es gibt durchaus neue charismatische Bands, man muss sie nur entdecken. Auch hier kann ich nur meinen Bereich beurteilen. Aber ich entdecke jedes Jahr neue Bands, die frisch und innovativ sind, große musikalische Fähigkeiten haben und den Spirit von früher ins sich haben und weitertragen. Spontan fallen mir da Bands wie Green Lung, Wyatt E. und Jools ein.
Im Black Metal gab es schon immer und gibt es auch heutzutage eine große Untergrundszene. Ab und an werden Bands nach oben gespült, die dem Genre wirklich Innovation verleihen (das Rad neu erfinden kannste in dem Bereich nicht mehr). Die Szene in Trondheim z.B. ist zwar sehr klein, aber bringt immer Qualität zum Vorschein. Aber um diese neuen Strömungen wirklich mitzukriegen muss man halt nah dran bleiben an der Szene und kleine Konzerte besuchen. Ich werde auch nicht jünger und weiß nicht, wie lange ich das noch in dem Maße mitmachen kann. Bis jetzt geht's noch und von daher sehe ich dann auch jedes Jahr aufs Neue, dass Rock (mit all seinen Ausläufern) definitiv nicht tot ist. Er verändert sich, das ganz sicher. In vielen Bereichen geht man auch einfach auf "Nummer sicher" und macht lieber die schnelle Mark. Aber Hartnäckigkeit und Innovation werden nach wie vor belohnt. Es ist nur ungleich schwerer als früher, als der Markt noch für jedermann überschaubar war.
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Hawklord
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Re: Planet Streitfrage: Ist Rock tot?

Beitrag von Hawklord »

Sowohl Sirius als auch Kröter haben sehr gut ausgedrückt was ich auch denke. Die Bands werden älter, die Fans auch. Und gute kleine Locations, die vor allem auch auf ältere Fans Rücksicht nehmen, die nicht mehr 2 Stunden stehen können, werden weniger.
Ich werde zum Beispiel Marillion nicht stehend beim Open-air an meinem Wohnort besuchen, sondern ich fahre rund 200 Kilometer nach Frankfurt, wo ich in einer angenehmen Halle sitzen kann. Ähnlich verhält es sich bei Joe Bonamassa, wo ich die SAParena in Mannheim der Arena in Nürnberg vorziehe. Und über die völlig überflüssige Bestuhlung bei Uriah Heep im letzten November habe ich schon geschrieben. RPWL würde ich z.B. sehr gerne mal live erleben, aber eben nur Stehplätze.
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Alexboy
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Re: Planet Streitfrage: Ist Rock tot?

Beitrag von Alexboy »

Rock, so wie ich ihn kenne, war immer ein Nischenprodukt, da POP alles bedient hat, was sich " der Otto-Normalhörer " so gegönnt hat. :twisted:
Die Geschmäcker im Musikbusiness haben sich auch laufend geändert - nicht immer zum Besseren - :twisted: , und die zur Zeit hausgemachten Produktion der Veröffentlichungen tragen auch nicht unbedingt zur Qualität bei. :roll:
Für mich macht es einen großen Unterschied, ob die Musiker zusammen sitzen und ihre Werke präsentieren, oder nur ihre selbst aufgenommenen Teile am Ende zusammenfügen lassen. Ausnahmen bestätigen wie üblich die Regel. :twisted:
Es hat immer Musiker gegeben, welche Rock live öffentlich vorgetragen haben. Und diese wird es meiner Meinung nach noch einige Zeit geben, ohne den Blick auf das ganz Große Geld, einfach zum Spaß!

Rock ist nicht tot, nur die goßen Summen, welche ab den 60ern umgesetzt wurden sind Vergangenheit. Und so lange die Musikindustrie andere Kühe melken kann, wird sich daran auch nichts ändern.
Denn die Industrie war immer - wie Zappa mit seinen Müttern so schön schrieb:

We're Only In It For The Money! :twisted:
Burn down the mission:Elton John
- No prophecies - I might lose my head, or worse - Manche meinen es gut! Andere glauben sie wollen mein Bestes - Ich bin sicher ich weiß es besser.
Eine Zensur findet nicht statt
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Pavlos
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Re: Planet Streitfrage: Ist Rock tot?

Beitrag von Pavlos »

Tot nicht, aber langweilig. Zumindest größtenteils. Es war ja schon alles da, und das schon seit langem. Neues, erfrischendes hört man immer seltener, irgendwann hat man es sich auch als Hörer bequem gemacht und an die ständigen Wiederholungen gewöhnt. Ist nicht schlimm, aber die Revolution, die Rock früher einmal war, ist futsch. Früher hat er Angst und Schrecken ausgelöst, heute gibt es AC/DC Strampler bei H&M. Ich bin froh, zu einer Zeit in die Musik eingetaucht zu sein, als Rock und Metal noch als "gefährlich" galten. Einerseits, weil man Teil von etwas Großartigem war, dass ständig "Dagegen!!" kreischt, andereseits, weil unser Wohlstand heute keine Revolution nötig hat. Und irgendwie will ich mit fast 50 auch meine Ruhe haben, haha.......
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Dudesogood
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Re: Planet Streitfrage: Ist Rock tot?

Beitrag von Dudesogood »

Jeder der Kinder hat kann bestätigen, das Rock heutzutage nicht mehr die Relevanz von früher hat. Vielleiht einige (halb)jüngere Bands wie z.B. die Foo Fighters oder Green Day (auch schon älter) - diese müssen sich halt neben aktuellen Musikstilen wie Hip Hop oder (immer noch?) Techno behaupten. Wenn das Geld der Rentner für Wucherpreiskonzerttickets (aktuell Rush) verbraten wird, bleibt für den Nachwuchs keine Chance.
Persönlich würde ich ja gerne mal ein Ravekonzert besuchen, stehen und mich bewegen macht mir auch nichts aus. Aber die mitleidigen Blicke "Jetzt kommen sie auch schon zum sterben hierher" der Gemüsefraktion kann ich kaum ertragen! Vielleicht sollte man das Ganze einfach mit mehr Humor nehmen? ;-)
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Louder Than Hell
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Re: Planet Streitfrage: Ist Rock tot?

Beitrag von Louder Than Hell »

Dudesogood hat geschrieben: Mi 25. Feb 2026, 21:43 Jeder der Kinder hat kann bestätigen, das Rock heutzutage nicht mehr die Relevanz von früher hat. Vielleiht einige (halb)jüngere Bands wie z.B. die Foo Fighters oder Green Day (auch schon älter) - diese müssen sich halt neben aktuellen Musikstilen wie Hip Hop oder (immer noch?) Techno behaupten. Wenn das Geld der Rentner für Wucherpreiskonzerttickets (aktuell Rush) verbraten wird, bleibt für den Nachwuchs keine Chance.
Persönlich würde ich ja gerne mal ein Ravekonzert besuchen, stehen und mich bewegen macht mir auch nichts aus. Aber die mitleidigen Blicke "Jetzt kommen sie auch schon zum sterben hierher" der Gemüsefraktion kann ich kaum ertragen! Vielleicht sollte man das Ganze einfach mit mehr Humor nehmen? ;-)
Die mitleidigen Blicke sind mir schon vor gut 20 Jahren in der Form entgegengebracht worden. Ein Junghuhn sprach mit wörtich an, ob ich mich nicht doch mehr zu der Musik bewegen könnte. Dazu muss ich anmerken, dass es sich um ein Metalkonzert handelte und der Laden (das Hamburg Docks) gerappelt voll war. Neben der aufkommenden und sich verbreitenden Hitze hatte ich auch schon mit Steherei zu kämpfen. Zudem hatte ich den ganzen Tag gerabeitet und war direkt vom Arbeitsplatz auf dem Kiez zur Lokation gegangen. Und hier kamen die von mit überhaupt nicht wertgeschätzte Attribute zusammen:
Stundeslanges Stehen, eine publikumsbedingte Enge, Ungeduld, Wärme und Gedränge. Seitdem habe ich nur Konzerte wahrgenommen, wo man beqeum sitzen konnte und ein guter Überblick garantierten wie z. Beispiel Tom Petts & Heartbreaker oder Clapton & Winwood.
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BRAIN
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Re: Planet Streitfrage: Ist Rock tot?

Beitrag von BRAIN »

Wenn ich eure Beiträge so lese, entsteht für mich ein ziemlich stimmiges Bild: Rock ist nicht tot – aber er ist nicht mehr der Ort, an dem gesellschaftliche Energie zusammenläuft.
Früher war Rock ein Brennglas für Unruhe, Aufbruch, Protest, Identitätssuche. Heute verteilt sich all das auf zig Szenen, Plattformen und Mikro‑Communities. Vielleicht ist das der eigentliche Unterschied: Nicht die Musik ist verschwunden, sondern die gemeinsame Bühne.

Was Sirius über Streaming und Ökonomie schreibt, trifft den Kern: Die Infrastruktur, die Rock groß gemacht hat, existiert so nicht mehr. Und Kröters Punkt zum Überangebot passt perfekt dazu – wenn alles jederzeit verfügbar ist, verliert selbst das Herausragende seine Schärfe. Gleichzeitig zeigt sein Beispiel aus dem Metal‑Untergrund, dass Vitalität nicht an Sichtbarkeit gebunden ist.

Hawklords Beobachtung zur Live‑Kultur ist für mich ein weiterer Schlüssel. Rock war immer auch ein körperliches Erlebnis. Wenn die Orte dafür verschwinden oder unzugänglich werden, verliert das Genre einen Teil seiner sozialen Funktion. Und Pavlos bringt es schön auf den Punkt: Die „Gefährlichkeit“, die Rock einmal hatte, ist heute musealisiert – AC/DC‑Strampler bei H&M sagen alles.

Vielleicht ist Rock deshalb nicht tot, sondern in einer Art „postheroischer Phase“. Die großen Gesten sind weg, die Revolution ist vorbei, aber die Substanz ist noch da – nur leiser, fragmentierter, persönlicher. Und vielleicht ist das gar kein Verlust, sondern eine Chance: Rock muss niemandem mehr etwas beweisen. Er darf einfach Musik sein.
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Beatnik
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Re: Planet Streitfrage: Ist Rock tot?

Beitrag von Beatnik »

Wenn ich so nur für mich persönlich ein Fazit ziehen müsste, dann würde ich sagen: Der Rock ist schon seit Ewigkeiten tot, weil er sich schon seit Jahrzehnten nur noch selbst kopiert. Vielleicht war die letzte, echte Rockband die Foo Fighters, aber auch die setzten keine neuen Impulse mehr, und versanken schon nach dem ersten Album im Mainstream. Ich denke, das war das Hauptproblem der Rockmusik: Sie wurde schon sehr bald zum Mainstream. Aufbruchstimmungen weichten Selbstgefälligkeit, resp. Selbstzweck. Das kann man auch sehr leicht daran sehen, wie lange heute eine Rockband - so sie denn überhaupt noch als solche verstanden werden kann aufgrund der unzähligen Schubladen, in die man sie seit Jahrzehnten schon pfercht - noch Relevanz hat. Zu Beginn der Rockmusik waren Bands und Musiker zu Idolen einer ganzen Generation geworden, weil sie gesellschaftliche Strukturen eingerissen haben, aus denen die Jugend ausbrechen wollte. Der erste Rocker war Elvis, und er war allen anderen Musikern in den 50er Jahren klar überlegen: Er hatte eine unglaubliche Stimme, ein extremes Charisma und er war vor allem nicht der Rebell, den er auf der Bühne spielte: er war sensibel, er war Mensch. Er verband Talent mit Wirkung wie keiner vor ihm. Weil er den Blues in Chuck Berry-ähnlichen Riffs vortrug, gleichzeitig die Country & Westernmusik "sexy" machte (was damals ein totaler Skandal war, Stichwort 'Hüftschwung') brachte er alle ausser der Jugend auf den Plan: Pfaffen, Musikkritiker, Soziologen: Alle sahen sie in Elvis eine Bedrohung und grosse Gefahr für die Jugend: ein Brandstifter des Lasziven. Das Problem war: Niemand konnte Elvis stoppen, seine Popularität wuchs ins Unermessliche. Und weil er dabei stets Mensch blieb, zeigte er auch als Erster die klaren Nachteile und Folgen eines solchen Personenkults auf: Rockmusik, oder in seinem Fall noch Rock'n'Roll genannt, verdirbt die Seele, verdirbt den Charakter, macht krank. Das wiederum waren aber genau die Probleme und Folgen, welche die Jugend auskosten wollte, denn es ist ein Teil der oftmals noch pubertären Selbstfindung: Rock'n'Roll lässt Probleme vergessen, führt auch dazu, dass Generationenkonflikte nicht nur ausgesprochen, sondern auch ausgetragen werden, mit all ihren positiven und - zumeist - negativen Folgen. Nur: Rock'n'Roll liess sich nicht aufhalten. Erst die Manager versauten den Rock'n'Roll. Sie begannen, ihn glattzubügeln, zum Mainstream zu machen, auch einer älteren Generation zuzuführen, was ja auch gelang. Elvis versank im Sumpf von dümmlicher Filmmusik, und es dauerte Jahre, bis er 1967 mit dem Start der Rockmusik noch einmal für einige Jahre relevant wurde.

Das genaue Datum der Geburt der Rockmusik lässt sich meines Erachtens nicht so genau bestimmen: War es 1967, oder doch schon bei den Rolling Stones ? Ich persönlich würde Grateful Dead als eine der ersten Rockbands bezeichnen wollen, denn sie waren das, was für mich eine gute Rockband auszeichnet: Sie kommt nicht vom Weg ab, zieht ihr Ding fast ein halbes Jahrhundert durch und erfindet sich dabei immer wieder neu, indem sie nichts verändert, sondern wie ein verlässlicher Freund immer wieder begeistert und nur in Nuancen von ihren ursprünglichen Mustern abweicht - Mustern, die denkbar einfach sind und ihren Ursprung im Blues haben. In der Musik von Grateful Dead klingt nichts erzwungen, nichts vordefiniert und nichts konstruiert. Grateful Dead stehen einfach hin und lassen es fliessen. Das ist meiner Meinung nach die Rock-Ursuppe. In dem Moment, wo auch Rockmusiker anfingen, ihre Musik zum Konstrukt zu erbauen, verloren sie für mich ihre Relevanz, denn Kopf kann nicht Herz und/oder Bauch und Beine ersetzen. Ein hervorragendes Beispiel für die totale Kompositionsverweigerung, die damals in sehr enger Definition verstanden wurde, ist Jimi Hendrix. Er bediente sich jedes möglichen damaligen Musikstils und zerlegte ihn gnadenlos, um daraus etwas völlig Neues zu erschaffen. Ich würde daher auch ihn als einen der Erfinder der Rockmusik, neben Grateful Dead, nennen wollen. Rock also als amerikanische Erfindung ? Ja, eigentlich schon. Auch wenn mit The Kinks eine britische Band - und vielleicht die erste von der Insel - ebenfalls diesen Anspruch hatte und ihn auch bestätigte.

Was für mich ganz wichtig ist: Rockmusik muss von Epigonen stammen, die nicht nur zwei, drei Alben lang begeisterten, sondern nachhaltig und über viele Jahre, oder sogar Jahrzehnte hinweg, wichtig blieben. Man mag mich auslachen, aber da gehören für mich zum Beispiel auch Status Quo dazu. Neben all den britischen Rockbands wie The Who, Purple, Heep und unzähligen weiteren. Sie alle prägten die Rockmusik, was bei uns umso mehr wahrgenommen wurde, weil sie aus der "Nähe" kamen, nicht von über'm grossen Teich. Aus den Staaten kamen MC5, Mountain, Steppenwolf und viele mehr, aber die britische Rockmusik hat bei uns wohl länger tiefgreifenden Nachhall hinterlassen. Wie gesagt, das ist nur meine Einschätzung. Sie führte dazu, dass ich spätestens ab meinem 18. Lebensjahr ausschliesslich Rockbands aus Europa, vorwiegend aus England, bevorzugte. Amerikanische Rockmusik geriet eher etwas in den Hintergrund.

Um die Diskussionsfragen, die BRAIN gestellt hat, kurz zu beantworten:

Ist Rock kulturell bedeutungslos geworden ?

Bedeutungslos ? Jein. Aber die zwei letzten Jugendgenerationen hatten halt andere musikalische Vorlieben und ihre Helden waren nicht in der klassischen Rockmusik zu finden. Nimmt man Verkaufszahlen als Masstab, so waren Rockbands schon in den 80er Jahren nicht mehr gross von Bedeutung. Es gab mit dem Grunge in den frühen 90er Jahren auch wieder rohe und kraftvolle Musik, die klar als Rockmusik definiert werden kann, und auch die Punkmusik der ausgehenden 70er und der 80er Jahre gehört hier mit dazu, aber die waren alle von relativ kurzer Dauer und werden von mir heute eher als vorübergehender Trend wahrgenommen. Und hier beginnt für mich das Fatale: Klar, ohne ein Nirvana Album möchte ich auch nicht leben, aber kurz danach muss ich dann halt doch wieder auf ein Grateful Dead Album zurückgreifen. Jetzt kann man natürlich fragen: Was hat denn das eine mit dem anderen zu tun ? Tja, nichts. Aber Dead waren halt 'meine' Rockmusik-Erfahrungen, die ersten. Nirvana kamen und gingen, wie so viele vor und nach ihnen. Heute sind Rockmusiker/Rockbands zwar immer noch präsent, und der Stil wird auch noch lange nicht verschwinden, aber ihren Epigonen fehlt halt das, was Rockusik einst ausmachte: der Zeitgeist, der Aufbruch, das Aufsässige. Rockmusik ist heute nur noch ein simpler Musikstil innerhalb der Populärmusik, der mitschwimmt im kommerziellen Gewässer, aber keine hohen Wellen mehr schlägt wie zu Ende der 60er Jahre. Bedeutungslos würde ich sie aber dennoch nicht bezeichnen wollen.

Fehlen charismatische neue Bands ?

Naja, Charisma haben ja nun doch recht viele Musiker(innen), daran mangelt es auch heute nicht. Nur ist Charisma heute jederzeit und überall präsent und damit auch beliebig austauschbar, sodass hier der Anteil der Rockmusiker/innen überschaubar geworden ist. Ich denke auch, dass Charisma inzwischen weit weniger wichtig geworden ist als früher. Heute muss vor allem Qualität und Langlebigkeit präsentiert werden, denn in einer schnelllebigen Zeit wie der heutigen wechseln Vorstellungen von Ausstrahlung und Erscheinungsbild schon fast täglich. Die Menschen sehnen sich aus meiner Sicht auch heute noch nach Kontinuität und Verlässlichkeit. Aber gerade da mangelt es meiner Meinung nach so manchem 'neuen' Star. Wenn ich Jemanden namentlich nennen müsste, der meiner Meinung nach heute Charisma hat, dann wäre das Joe Bonamassa. Seine Art, sich auf der Bühne stets elegant und akkurat zu kleiden, gibt ihm etwas Stilvolles, und ich habe festgestellt, dass man nicht unbedingt zerschlissene Jeans und Holzfällerhemden tragen muss, um mich als begnadeter Gitarrist überzeugen zu können. Dass man Herrn Bonamassa aber genau dieses stilvolle Auftreten ankreidet, kann ich absolut nicht nachvollziehen.

Hat Streaming das Genre entkernt ?

Da ich kein Streamer bin, kann ich hierzu leider nichts sagen. Streamen ist für mich so ziemlich die unpersönlichste Art, Musik zu hören, weshalb sie für mich völlig uninteressant ist. Wenn ich nur noch berieselt werde, ohne ein Plattencover in der Hand zu halten oder in einem CD Booklet zu blättern, ist das nicht meine Art, Musik zu hören. Genausowenig gehen bei mir digitale Miniatur-Gimmicks mit Ohrstöpseln. Es geht nichts über analoges Musikhören. Oder wurde Rockmusik für Ohrstöpselträger gemacht ?

Oder ist Rock einfach nur aus dem Mainstream verschwunden ?

Das glaube ich nicht einmal. Rock ist nachwievor ein wichtiger Teil der popmusikalischen Unterhaltungsindustrie. Nur hat der Mainstream halt eben die Eigenschaft, etwas Aussergewöhnliches zu etwas Profanem zu degradieren. Natürlich werde ich auch heute noch immer sehr gut unterhalten durch moderne Rockbands, aber ich erwarte eigentlich nur noch Musik, die mich beeindruckt und die mir gut rein geht, ein zweites Nachleben meiner Jugend oder ein neuer Hype interessieren mich dabei nicht mehr. Das Privileg des Alters.
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Sirius
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Re: Planet Streitfrage: Ist Rock tot?

Beitrag von Sirius »

Beatnik hat geschrieben: Fr 27. Feb 2026, 08:08 Wenn ich so nur für mich persönlich ein Fazit ziehen müsste, dann würde ich sagen: Der Rock ist schon seit Ewigkeiten tot, weil er sich schon seit Jahrzehnten nur noch selbst kopiert. Vielleicht war die letzte, echte Rockband die Foo Fighters, aber auch die setzten keine neuen Impulse mehr, und versanken schon nach dem ersten Album im Mainstream. Ich denke, das war das Hauptproblem der Rockmusik: Sie wurde schon sehr bald zum Mainstream. Aufbruchstimmungen weichten Selbstgefälligkeit, resp. Selbstzweck. Das kann man auch sehr leicht daran sehen, wie lange heute eine Rockband - so sie denn überhaupt noch als solche verstanden werden kann aufgrund der unzähligen Schubladen, in die man sie seit Jahrzehnten schon pfercht - noch Relevanz hat. Zu Beginn der Rockmusik waren Bands und Musiker zu Idolen einer ganzen Generation geworden, weil sie gesellschaftliche Strukturen eingerissen haben, aus denen die Jugensd ausbrechen wollte. Der erste Rocker war Elvis, und er war allen anderen Musikern in den 50er Jahren klar überlegen: Er hatte eine unglaubliche Stimme, ein extremes Charisma und er war vor allem nicht der Rebell, den er auf der Bühne spielte: er war sensibel, er war Mensch. Er verband Talent mit Wirkung wie keiner vor ihm. Weil er den Blues in Chuck Berry-ähnlichen Riffs vortrug, gleichzeitig die Country & Westernmusik "sexy" machte (was damals ein totaler Skandal war, Stichwort 'Hüftschwung') brachte er alle ausser der Jugend auf den Plan: Pfaffen, Musikkritiker, Soziologen: Alle sahen sie in Elvis eine Bedrohung und grosse Gefahr für die Jugend: ein Brandstifter des Lasziven. Das Problem war: Elvis konnte niemand stoppen, seine Popularität wuchs ins Unermessliche. Und weil er dabei stets Mensch blieb, zeigte er auch als Erster die klaren Nachteile und Folgen eines solchen Personenkults auf: Rockmusik, oder in seinem Fall noch Rock'n'Roll genannt, verdirbt die Seele, verdirbt den Charakter, macht krank. Das wiederum waren aber genau die Probleme und Folgen, welche die Jugend auskosten wollte, denn es ist ein Teil der oftmals noch pubertären Selbstfindung: Rock'n'Roll lässt Probleme vergessen, führt auch dazu, dass Generationenkonflikte nicht nur ausgesprochen, sondern auch ausgetragen werden, mit all ihren positiven und - zumeist - negativen Folgen. Nur: Rock'n'Roll liess sich nicht aufhalten. Erst die Manager versauten den Rock'n'Roll. Sie begannen, ihn glattzubügeln, zum Mainstream zu machen, auch einer älteren Generation zuzuführen, was ja auch gelang. Elvis versank im Sumpf von dümmlicher Filmmusik, und es dauerte Jahre, bis er 1967 mit dem Start der Rockmusik noch einmal für einige Jahre relevant wurde.

Das genaue Datum der Geburt der Rockmusik lässt sich meines Erachtens nicht so genau bestimmen: War es 1967, oder doch schon bei den Rolling Stones ? Ich persönlich würde Grateful Dead als eine der ersten Rockbands bezeichnen wollen, denn sie waren das, was für mich eine gute Rockband auszeichnet: Sie kommt nicht vom Weg ab, zieht ihr Ding fast ein halbes Jahrhundert durch und erfindet sich dabei immer wieder neu, indem sie nichts verändert, sondern wie ein verlässlicher Freund immer wieder begeistert und nur in Nuancen von ihren ursprünglichen Mustern abweicht - Mustern, die denkbar einfach sind und ihren Ursprung im Blues haben. In der Musik von Grateful Dead klingt nichts erzwungen, nichts vordefiniert und nichts konstruiert. Grateful Dead stehen einfach hin und lassen es fliessen. Das ist meiner Meinung nach die Rock-Ursuppe. In dem Moment, wo auch Rockmusiker anfingen, ihre Musik zum Konstrukt zu erbauen, verloren sie für mich ihre Relevanz, denn Kopf kann nicht Herz und/oder Bauch und Beine ersetzen. Ein hervorragendes Beispiel für die totale Kompositionsverweigerung, die damals in sehr enger Definition verstanden wurde, ist Jimi Hendrix. Er bediente sich jedes möglichen damaligen Musikstils und zerlegte ihn gnadenlos, um daraus etwas völlig Neues zu erschaffen. Ich würde daher auch ihn als einen der Erfinder der Rockmusik, neben Grateful Dead, nennen wollen. Rock also als amerikanische Erfindung ? Ja, eigentlich schon. Auch wenn mit The Kinks eine britische Band - und vielleicht die erste von der Insel - ebenfalls diesen Anspruch hatte und ihn auch bestätigte.

Was für mich ganz wichtig ist: Rockmusik muss von Epigonen stammen, die nicht nur zwei, drei Alben lang begeisterten, sondern nachhaltig und über viele Jahre, oder sogar Jahrzehnte hinweg, wichtig blieben. Man mag mich auslachen, aber da gehören für mich zum Beispiel auch Status Quo dazu. Neben all den britischen Rockbands wie The Who, Purple, Heep und unzähligen weiteren. Sie alle prägten die Rockmusik, was bei uns umso mehr wahrgenommen wurde, weil sie aus der "Nähe" kamen, nicht von über'm grossen Teich. Aus den Staaten kamen MC5, Mountain, Steppenwolf und viele mehr, aber die britische Rockmusik hat bei uns wohl länger tiefgreifenden Nachhall hinterlassen. Wie gesagt, das ist nur meine Einschätzung. Sie führte dazu, dass ich spätestens ab meinem 18. Lebensjahr ausschliesslich Rockbands aus Europa, vorwiegend aus England, bevorzugte. Amerikanische Rockmusik geriet eher etwas in den Hintergrund.

Um die Diskussionsfragen, die BRAIN gestellt hat, kurz zu beantworten:

Ist Rock kulturell bedeutungslos geworden ?

Bedeutungslos ? Jein. Aber die zwei letzten Jugendgenerationen hatten halt andere musikalische Vorlieben und ihre Helden waren nicht in der klassischen Rockmusik zu finden. Nimmt man Verkaufszahlen als Masstab, so waren Rockbands schon in den 80er Jahren nicht mehr gross von Bedeutung. Es gab mit dem Grunge in den frühen 90er Jahren auch wieder rohe und kraftvolle Musik, die klar als Rockmusik definiert werden kann, und auch die Punkmusik der ausgehenden 70er und der 80er Jahre gehört hier mit dazu, aber die waren alle von relativ kurzer Dauer und werden von mir heute eher als vorübergehender Trend bezeichnet. Und hier beginnt für mich das Fatale: Klar, ohne ein Nirvana Album möchte ich auch nicht leben, aber kurz danach muss ich dann halt doch wieder auf ein Grateful Dead Album zurückgreifen. Jetzt kann man natürlich fragen: Was hat denn das eine mit dem anderen zu tun ? Tja, nichts. Aber Dead waren halt 'meine' Rockmusik-Erfahrungen, die ersten. Nirvana kamen und gingen, wie so viele vor und nach ihnen. Heute sind Rockmusiker/Rockbands zwar immer noch präsent, und der Stil wird auch noch lange nicht verschwinden, aber ihren Epigonen fehlt halt das, was Rockusik einst ausmachte: der Zeitgeist, der Aufbruch, das Aufsässige. Rockmusik ist heute nur noch ein simpler Musikstil innerhalb der Populärmusik, der mitschwimmt im kommerziellen Gewässer, aber keine hohen Wellen mehr schlägt wie zu Ende der 60er Jahre. Bedeutungslos würde ich sie aber dennoch nicht bezeichnen wollen.

Fehlen charismatische neue Bands ?

Naja, Charisma haben ja nun doch recht viele Musiker(innen), daran mangelt es auch heute nicht. Nur ist Charisma heute jederzeit und überall präsent und damit auch beliebig austauschbar, sodass hier der Anteil der Rockmusiker/innen überschaubar geworden ist. Ich denke auch, dass Charisma inzwischen weit weniger wichtig geworden ist als früher. Heute muss vor allem Qualität und Langlebigkeit präsentiert werden, denn in einer schnelllebigen Zeit wie der heutigen wechseln Vorstellungen von Ausstrahlung und Erscheinungsbild schon fast täglich. Die Menschen sehnen sich aus meiner Sicht auch heute noch nach Kontinuität und Verlässlichkeit. Aber gerade da mangelt es meiner Meinung nach so manchem 'neuen' Star. Wenn ich Jemanden namentlich nennen müsste, der meiner Meinung nach heute Charisma hat, dann wäre das Joe Bonamassa. Seine Art, sich auf der Bühne stets elegant und akkurat zu kleiden, gibt ihm etwas Stilvolles, und ich habe festgestellt, dass man nicht unbedingt zerschlissene Jeans und Holzfällerhemden tragen muss, um mich als begnadeter Gitarrist überzeugen zu können. Dass man Herrn Bonamassa aber genau dieses stilvolle Auftreten ankreidet, kann ich absolut nicht nachvollziehen.

Hat Streaming das Genre entkernt ?

Da ich kein Streamer bin, kann ich hierzu leider nichts sagen. Streamen ist für mich so ziemlich die unpersönlichste Art, Musik zu hören, weshalb sie für mich völlig uninteressant ist. Wenn ich nur noch berieselt werde, ohne ein Plattencover in der Hand zu halten oder in einem CD Booklet zu blättern, ist das nicht meine Art, Musik zu hören. Genausowenig gehen bei mir digitale Miniatur-Gimmicks mit Ohrstöpseln. Es geht nichts über analoges Musikhören. Oder wurde Rockmusik für Ohrstöpselträger gemacht ?

Oder ist Rock einfach nur aus dem Mainstream verschwunden ?

Das glaube ich nicht einmal. Rock ist nachwievor ein wichtiger Teil der popmusikalischen Unterhaltungsindustrie. Nur hat der Mainstream halt eben die Eigenschaft, etwas Aussergewöhnliches zu etwas Profanem zu degradieren. Natürlich werde ich auch heute noch immer sehr gut unterhalten durch moderne Rockbands, aber ich erwarte eigentlich nur noch Musik, die mich beeindruckt und die mir gut rein geht, ein zweites Nachleben meiner Jugend oder ein neuer Hype interessieren mich dabei nicht mehr. Das Privileg des Alters.
Wow, ein Text der Extraklasse. So tief wollte und könnte ich wohl gar nicht ins Thema eingehen, aber viele Deiner Punkte teile ich mit Dir.
Die Frage nach der ersten Rockband werden wahrscheinlich die meisten unterschiedlich sehen, für mich persönlich wären es die Yardbirds.
Mit Greatful Dead konnte ich noch nie viel anfangen, liegt wohl daran, dass ich mit einem der wahrscheinlich größten Deadheads in Deutschland befreundet bin (seine Sammlung von allem was es gibt über GD füllt einen 25qm Raum), der absolut nur GD hört, und der mich und auch andere auf vielen Fahrten zu Auswärtsspielen von Mainz 05 damit malträtiert hat, ewig lange Improvisationen von Songs, die nicht auseinander halten konnte. :shock:
Tipp : heute Abend 22.40h bei arte ÷ Status Quo - Rockin' All Over The World ÷ eine Doku 90 Minuten, die ich mir - obwohl kein Fan der Band - auch ansehen werde.
Bis neulich Marcel :wave:
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Beatnik
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Re: Planet Streitfrage: Ist Rock tot?

Beitrag von Beatnik »

Sirius hat geschrieben: Fr 27. Feb 2026, 08:46 Wow, ein Text der Extraklasse. So tief wollte und könnte ich wohl gar nicht ins Thema eingehen, aber viele Deiner Punkte teile ich mit Dir.
Die Frage nach der ersten Rockband werden wahrscheinlich die meisten unterschiedlich sehen, für mich persönlich wären es die Yardbirds.
Mit Greatful Dead konnte ich noch nie viel anfangen, liegt wohl daran, dass ich mit einem der wahrscheinlich größten Deadheads in Deutschland befreundet bin (seine Sammlung von allem was es gibt über GD füllt einen 25qm Raum), der absolut nur GD hört, und der mich und auch andere auf vielen Fahrten zu Auswärtsspielen von Mainz 05 damit malträtiert hat, ewig lange Improvisationen von Songs, die nicht auseinander halten konnte. :shock:
Tipp : heute Abend 22.40h bei arte ÷ Status Quo - Rockin' All Over The World ÷ eine Doku 90 Minuten, die ich mir - obwohl kein Fan der Band - auch ansehen werde.
Bis neulich Marcel :wave:
Moin Martin, schön, Dich wieder zu lesen ❤️
Die Quo Doku hab ich mir programmiert. :yes:

Woran ich noch sehr gut feststellen kann, wie es mit der Rockmusik in punkto Relevanz aussieht, ist die Art der Berichterstattung in den entsprechenden Printmedien. Die ROCKS, aber auch die Classic Rock werden beide nicht müde, die immer gleichen Ewigbesten zum Thema zu machen in Berichten/Porträts, die sich über viele Heftseiten erstrecken. Da wären auch tiefergehende Berichte zu aktuelleren Rock Acts wünschenswert. Es liegt auf der Hand, warum es keine Stories mit 10 oder noch mehr Seiten zu angesagten Rockbands gibt: sie sind entweder nicht relevant genug, oder bieten zu wenig Schreibenswertes. Vielleicht weil das ganze Drumherum heute viel zahmer und unspektakulär geworden ist ? Wo sind bloss all die Berichte zu Groupieorgien oder Drogenexzesse mit Zertrümmern von Hotelmobiliar und dekadentem Lebenswandel geblieben ? Sollten die 'harten Rockjungs' von heute etwa nach dem letzten posingkorrekten Heavy Riff bloss noch ausstöpseln und nach hause gehen ? Sieht fast so aus. Achtung: Nicht ganz ernstzunehmen... :lol:
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badger
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Re: Planet Streitfrage: Ist Rock tot?

Beitrag von badger »

Als der möglicherweise Älteste hier im Forum, der noch mit den frühen Beatles und Stones
angefangen hat, kann ich nur sagen, daß (für mich) die Rockmusik schon lange tot ist und zwar
absolut.
Es gibt eine ganze Menge verschiedener Gründe.
Vielleicht zum ersten: das was sich ab den frühen 60ern entwickelte, war hauptsächlich neu oder
in nie dagewesener Weise interpretiert: Akkorde- und ihre -Wechsel, Melodiebögen, die Instrumentierung,
bei der Gitarre, Drums und Bass schon genügten; Themen und Texte und Gesang;
ein paar Ideen hatte man wohl aus dem Rock'n'Roll oder Blues gewonnen, aber dargebracht wurde es
völlig NEU.

So, und dann vergingen die Jahre und die neuen Ideen wurden zu wieder und wieder kopierten
und weil das Musikvolk alles in sich hineinfraß, wurde gleich noch weiter kopiert und verlängert.
Endlose Versionen des immer gleichen entstanden, sie wurden immer abgedroschener, banaler,
langweiliger, ÜBERFLÜSSIGER.

Um 1965 oder 1970 war es schwer, eine LP aufzunehmen und das war SEHR GUT so, denn man mußte
schon bestes Material vorweisen, mußte HITS haben (und ich meine nicht Teenybopper-Hits, sondern
einfach Stücke, die eine Platte ausmachten). LP-Durchschnittslaufzeit 32-38 Minuten.
Und das war lang genug ohne zu langweilen.

Und heute ist wirklich jedes Stück aus Stilmitteln zusammengesetzt, die schon millionenfach auf Platte gebannt
wurden, fast alle CDs sind VIEL zu lang, ohne dabei auch nur ein einziges 'Hitstück' zu liefern; Musiker schmeißen
schnell 10, 20 oder mehr CDs mit grausam langweiligen und völlig überflüssigen Ausgüssen auf den Markt;
80 Minuten davon reichen den meisten nicht; es müssen Doppel-, Dreier- oder gar 4er-CDs sein.
Und darauf ist dan meist kein einziges Stück, an das man sich erinnern kann, auch nicht nach vielfachem Abspielen.

KEIN Mensch hat aber soviel Kreativität, daß er CD um CD damit füllen kann. Bei einem Durchschnitts-Unterhalter geht
man von 3-6 guten Werken in seinem Leben aus, aber man wirft 20 oder auch (wenn man lange genug lebt, 50 oder mehr)
Werke auf den Markt, um abzukassieren.
Da müßte eine Qualitätskontrolle her um das zu verhindern!

Der Markt wird jetzt schon seit mindestens 3-4 Jahrzehnten mit Millionen von Tonträgern überschwemmt, die
(bis auf ganz, ganz, ganz wenige Ausnahmen) nie eingespielt werden dürften.
(und man fragt sich, warum weder die Haager Landkriegsordnung noch irgend eine Menschenrechts-kommission dagegen angeht...) :oops:

Nein, es gibt da draußen schon lange (fast) nichts wirklich Eigenes und Neues mehr zu hören,
weil es nämlich NICHT MEHR MÖGLICH ist. Es gibt keine ungespielten Akkorde oder Melodien,
man kann bestenfalls die Aufnahme noch glatter digitalisieren und sie somit STERILER machen.
Und das ist ja gerade das sterile ist es, worauf die große Mehrheit reinfällt, ja, sie fordert sich das "Abgezogen-
werden-mit dem immer Gleichen' sogar ganz ausdrücklich.

Im Prinzip war die alte Rockmusik um spätestens 1975 am Ende ihrer kreativen Ideen; der Punk hat nochmal eine die alten Akkordwechsel
zu einer völlig unerwarteten Qualitätssteigerung gebracht und danach wars eigentlich fast vorbei.
Neo Garage blieb Nischenmucke, genau wie Grunge oder Emocore und weil letztendlich auch diese Stile nur alte Stilmittel nutzten, ja, nutzen
KONNTEN, war auch da recht schnell die Luft raus.

Sicherlich, irgendwann macht irgendwer doch auf sich aufmerksam, nur sind das praktisch nie die z.B. in diesem oder anderen Foren
kolportierten Bands, sondern jene, die eben nicht zur Kleinbürgerschaft durchdringen (wer hat schon die wirklich total überzeugende
Neo-Neo-Neo-Mods von Spitfire oder die nicht minder spektakulären Rifles im Schrank...???)
Und nochmal wiederholt: auch diese wenigen Ausnahmen können nur eine begrenzte Zahl an kreativ guten Alben aufnehmen, bevor die Ideen
aufgebraucht sind und jede weitere CD nur noch um des Geldes willen eingespielt wird.

Man schaue sich nur mal das Programm unserer Bonner Harmonie an:
https://www.harmonie-bonn.de/club/

man wird zugemüllt mit einer verdammte Coverband nach der anderen, die im Geiste armen bejubeln es, aber das beweist lediglich,
daß einfach kein Freiraum mehr da ist, um noch neue und eigene Ideen zu entwicklen.

Dies also nur die Sichtweise auf Bands, Musik und Tonträger von jemand, der die Geschichte seit 1965 mit größtem Engagement verfolgt.
Es ist logisch, daß jemand von heute, dem die Möglichkeit des Rückblicks und Vergleichens fehlt, daß nur schwer, wenn überhaupt
nachvollziehen kann.

Ein weiterer Hauptgrund aber, warum Rockmusik schon lange am Ende ist: unsere Gesellschaft hat sich in all diesen Jahren völlig verändert;
Kommunikation im alten Stil gibt es nicht mehr, der menschliche Durchschnitts-IQ ist in den vergangenen 20 Jahren um 8% gesunken (!!!)
(woran die Internetwelt einen Hauptanteil hat) und Persönlichkeiten (sowohl in der Musik als auch unter den Hörern) sind bis auf einzelne
Ausnahmen längst ausgestorben.

Wir wissen schon länger, daß die menschliche Degeneration in vollstem Gange ist und sich nicht mehr stoppen läßt; befreundete Anthropologen
der Uni Köln, die zur menschlichen Entwicklung forschen, bestätigten schon vor vielen Jahren, das der Zug abgefahren ist.
Aber im Grunde braucht man nur die Augen aufmachen und logische Schlußfolgerungen zu ziehen, um das auch ohne Wissenschaftler zu erkennen.
Wo aber der Mensch am Ende ist, kann die Rockmusik nicht besser dastehen.
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Beatnik
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Re: Planet Streitfrage: Ist Rock tot?

Beitrag von Beatnik »

badger hat geschrieben: Fr 27. Feb 2026, 19:53 Als der möglicherweise Älteste hier im Forum, der noch mit den frühen Beatles und Stones
angefangen hat, kann ich nur sagen, daß (für mich) die Rockmusik schon lange tot ist und zwar
absolut.
Es gibt eine ganze Menge verschiedener Gründe.
Vielleicht zum ersten: das was sich ab den frühen 60ern entwickelte, war hauptsächlich neu oder
in nie dagewesener Weise interpretiert: Akkorde- und ihre -Wechsel, Melodiebögen, die Instrumentierung,
bei der Gitarre, Drums und Bass schon genügten; Themen und Texte und Gesang;
ein paar Ideen hatte man wohl aus dem Rock'n'Roll oder Blues gewonnen, aber dargebracht wurde es
völlig NEU.

So, und dann vergingen die Jahre und die neuen Ideen wurden zu wieder und wieder kopierten
und weil das Musikvolk alles in sich hineinfraß, wurde gleich noch weiter kopiert und verlängert.
Endlose Versionen des immer gleichen entstanden, sie wurden immer abgedroschener, banaler,
langweiliger, ÜBERFLÜSSIGER.

Um 1965 oder 1970 war es schwer, eine LP aufzunehmen und das war SEHR GUT so, denn man mußte
schon bestes Material vorweisen, mußte HITS haben (und ich meine nicht Teenybopper-Hits, sondern
einfach Stücke, die eine Platte ausmachten). LP-Durchschnittslaufzeit 32-38 Minuten.
Und das war lang genug ohne zu langweilen.

Und heute ist wirklich jedes Stück aus Stilmitteln zusammengesetzt, die schon millionenfach auf Platte gebannt
wurden, fast alle CDs sind VIEL zu lang, ohne dabei auch nur ein einziges 'Hitstück' zu liefern; Musiker schmeißen
schnell 10, 20 oder mehr CDs mit grausam langweiligen und völlig überflüssigen Ausgüssen auf den Markt;
80 Minuten davon reichen den meisten nicht; es müssen Doppel-, Dreier- oder gar 4er-CDs sein.
Und darauf ist dan meist kein einziges Stück, an das man sich erinnern kann, auch nicht nach vielfachem Abspielen.

KEIN Mensch hat aber soviel Kreativität, daß er CD um CD damit füllen kann. Bei einem Durchschnitts-Unterhalter geht
man von 3-6 guten Werken in seinem Leben aus, aber man wirft 20 oder auch (wenn man lange genug lebt, 50 oder mehr)
Werke auf den Markt, um abzukassieren.
Da müßte eine Qualitätskontrolle her um das zu verhindern!

Der Markt wird jetzt schon seit mindestens 3-4 Jahrzehnten mit Millionen von Tonträgern überschwemmt, die
(bis auf ganz, ganz, ganz wenige Ausnahmen) nie eingespielt werden dürften.
(und man fragt sich, warum weder die Haager Landkriegsordnung noch irgend eine Menschenrechts-kommission dagegen angeht...) :oops:

Nein, es gibt da draußen schon lange (fast) nichts wirklich Eigenes und Neues mehr zu hören,
weil es nämlich NICHT MEHR MÖGLICH ist. Es gibt keine ungespielten Akkorde oder Melodien,
man kann bestenfalls die Aufnahme noch glatter digitalisieren und sie somit STERILER machen.
Und das ist ja gerade das sterile ist es, worauf die große Mehrheit reinfällt, ja, sie fordert sich das "Abgezogen-
werden-mit dem immer Gleichen' sogar ganz ausdrücklich.

Im Prinzip war die alte Rockmusik um spätestens 1975 am Ende ihrer kreativen Ideen; der Punk hat nochmal eine die alten Akkordwechsel
zu einer völlig unerwarteten Qualitätssteigerung gebracht und danach wars eigentlich fast vorbei.
Neo Garage blieb Nischenmucke, genau wie Grunge oder Emocore und weil letztendlich auch diese Stile nur alte Stilmittel nutzten, ja, nutzen
KONNTEN, war auch da recht schnell die Luft raus.

Sicherlich, irgendwann macht irgendwer doch auf sich aufmerksam, nur sind das praktisch nie die z.B. in diesem oder anderen Foren
kolportierten Bands, sondern jene, die eben nicht zur Kleinbürgerschaft durchdringen (wer hat schon die wirklich total überzeugende
Neo-Neo-Neo-Mods von Spitfire oder die nicht minder spektakulären Rifles im Schrank...???)
Und nochmal wiederholt: auch diese wenigen Ausnahmen können nur eine begrenzte Zahl an kreativ guten Alben aufnehmen, bevor die Ideen
aufgebraucht sind und jede weitere CD nur noch um des Geldes willen eingespielt wird.

Man schaue sich nur mal das Programm unserer Bonner Harmonie an:
https://www.harmonie-bonn.de/club/

man wird zugemüllt mit einer verdammte Coverband nach der anderen, die im Geiste armen bejubeln es, aber das beweist lediglich,
daß einfach kein Freiraum mehr da ist, um noch neue und eigene Ideen zu entwicklen.

Dies also nur die Sichtweise auf Bands, Musik und Tonträger von jemand, der die Geschichte seit 1965 mit größtem Engagement verfolgt.
Es ist logisch, daß jemand von heute, dem die Möglichkeit des Rückblicks und Vergleichens fehlt, daß nur schwer, wenn überhaupt
nachvollziehen kann.

Ein weiterer Hauptgrund aber, warum Rockmusik schon lange am Ende ist: unsere Gesellschaft hat sich in all diesen Jahren völlig verändert;
Kommunikation im alten Stil gibt es nicht mehr, der menschliche Durchschnitts-IQ ist in den vergangenen 20 Jahren um 8% gesunken (!!!)
(woran die Internetwelt einen Hauptanteil hat) und Persönlichkeiten (sowohl in der Musik als auch unter den Hörern) sind bis auf einzelne
Ausnahmen längst ausgestorben.

Wir wissen schon länger, daß die menschliche Degeneration in vollstem Gange ist und sich nicht mehr stoppen läßt; befreundete Anthropologen
der Uni Köln, die zur menschlichen Entwicklung forschen, bestätigten schon vor vielen Jahren, das der Zug abgefahren ist.
Aber im Grunde braucht man nur die Augen aufmachen und logische Schlußfolgerungen zu ziehen, um das auch ohne Wissenschaftler zu erkennen.
Wo aber der Mensch am Ende ist, kann die Rockmusik nicht besser dastehen.
Das möchte ich gerne ausführlich kommentieren, aber dafür brauch ich etwas Zeit und Musse. Für den Moment nur soviel: Viele Deiner Gedanken führen bei mir momentan grad dazu, recht viel in meiner viel zu überblähten Sammlung auszusortieren. Dabei stelle ich fest, dass ich mehr Sammler als Hörer bin. Würde ich nach meiner ganz persönlichen Maxime, was ich für gute Musik halte, gehen, dürften bestimmt zwei Drittel der Alben gar nicht in meinen Regalen stehen, denn auch ich habe klare Präferenzen, was meine Vorlieben angeht. Würde ich nur streng danach gehen, wären ehrlich gesagt nicht so viele Musikstile in meiner Sammlung vertreten. Aber gerne mehr dazu morgen, resp. wenn ich Musse und Zeit habe, denn jetzt werde ich mich einer Sendung auf Arte zu Status Quo widmen. Ein Schelm ist, der jetzt lacht. 😂
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Alexboy
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Re: Planet Streitfrage: Ist Rock tot?

Beitrag von Alexboy »

Wenn mir Musikstücke/Gruppen Spaß bereiten - die in manchen Ohren minderwertig und vergeudet sind - und mir die geistige Reife abgesprochen wird die niedere Qualität vieler von mir gerne gehörten Scheiben zu erkennen - was solls.
Diese Argumente gegen meinen persönlichen Geschmack höre ich seit mehr als 60 Jahren.
Dann soll es eben so sein.
Es war und ist traurig zu lesen/hören - aber das ändert absolut nichts an meinen Vorlieben.
Ich höre was ich will - andere das was sie wollen.
Wenn für andere Rock gestorben ist - ich feiere weiter sein Überleben und das seiner vielen Verwandten und bleibe bei meinem niederen IQ-Wert. :twisted:
Burn down the mission:Elton John
- No prophecies - I might lose my head, or worse - Manche meinen es gut! Andere glauben sie wollen mein Bestes - Ich bin sicher ich weiß es besser.
Eine Zensur findet nicht statt
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Re: Planet Streitfrage: Ist Rock tot?

Beitrag von Beatnik »

Alexboy hat geschrieben: Fr 27. Feb 2026, 22:19 Wenn mir Musikstücke/Gruppen Spaß bereiten - die in manchen Ohren minderwertig und vergeudet sind - und mir die geistige Reife abgesprochen wird die niedere Qualität vieler von mir gerne gehörten Scheiben zu erkennen - was solls.
Diese Argumente gegen meinen persönlichen Geschmack höre ich seit mehr als 60 Jahren.
Dann soll es eben so sein.
Es war und ist traurig zu lesen/hören - aber das ändert absolut nichts an meinen Vorlieben.
Ich höre was ich will - andere das was sie wollen.
Wenn für andere Rock gestorben ist - ich feiere weiter sein Überleben und das seiner vielen Verwandten und bleibe bei meinem niederen IQ-Wert. :twisted:
Für mich hat Musik nichts mit geistiger Reife zu tun, sondern mit Gefühl und Sensibilität für Künstlerisches Schaffen. Ich bin eben auch kein Kopfmensch. :wave:
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BRAIN
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Re: Planet Streitfrage: Ist Rock tot?

Beitrag von BRAIN »

Als jemand, der 1971 geboren wurde, habe ich Rock nicht nur gehört – ich habe erlebt, wie er gewachsen, mutiert, angeeckt und überlebt hat.
Rock ist ein Lebensgefühl, dass sich immer dann neu entzündet, wenn Menschen etwas zu sagen haben, das lauter ist als der Mainstream.

In den 80ern hat man gesagt, Rock sei tot, weil Synthpop alles überrollte.
In den 90ern war er angeblich tot, bis Grunge die Türen eingetreten hat.
In den 2000ern war er wieder tot, bis Garage-Rock-Revival und Alternative die Bühne zurückeroberten.

Wenn Rock wirklich tot wäre, warum taucht er dann in jeder Generation wieder auf – nur anders, rauer, ehrlicher oder wütender?
Ich habe gelernt: Rock stirbt nicht. Er versteckt sich nur manchmal, bis die Welt wieder bereit ist für Gitarren, Haltung und echte Kanten.
Und solange irgendwo ein Verstärker brummt, ein Schlagzeug scheppert und jemand seine Wahrheit ins Mikro brüllt, ist Rock lebendiger als jede Streaming-Playlist.

Also gut – wenn ich mir das hier alles so durchlese, scheint Rock ja wahlweise
a) tot,
b) halbtot,
c) im Koma,
d) quicklebendig,
e) oder einfach nur schlecht gelaunt zu sein.

Kommt ganz darauf an, wen man fragt.
Typisch Rock eben: immer ein bisschen Drama, immer ein bisschen Attitüde.

Rock ist vielleicht gar nicht tot – er ist nur genervt.
Von Streaming, von TikTok, von Ticketpreisen, von Nostalgie, von „früher war alles echter“, von „heute ist alles belangloser“, und wahrscheinlich auch von uns, die wir seit Jahrzehnten darüber diskutieren, ob er noch lebt.

Vielleicht ist Rock also nicht tot.
Vielleicht liegt er einfach nur auf dem Sofa, trinkt ein Bier, kratzt sich am Bauch und denkt sich:
„Macht ihr mal. Ich komm wieder, wenn’s spannend wird.“ :beer: ;)
MAKE PROG NOT WAR ! ---> ---> My 2025 Album Faves
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