
Batschkapp (Musik aus Mainz) - „Jetzt abber werklisch!“
Allmählich schlittern wir in die fünfte Jahreszeit, und wie von selbst landen bei mir wieder vermehrt Alben mit echtem Mainzer Lokalkolorit auf dem Plattenteller. Ganz vorne mit dabei: „Jetzt abber werklisch“ der Band Batschkapp. Diese LP aus dem Jahr 1988 ist ein wahres Stück lokaler Musikgeschichte.
Obwohl die Hymne „Meenzer Bube, Meenzer Mädcher“ gerade in der Fastnacht perfekt funktioniert, ist das gesamte Album – trotz der Mainzer Mundart – weit entfernt vom klassischen „Humba-Humba“-Karneval. Es ist eine ehrliche Mischung aus Blues, Rock, Folk und sogar einer Prise Reggae. Insgesamt ist die Scheibe ein fein geschliffenes Stück Mainzer Mundart: rau, direkt und mit diesem unverwechselbaren Kneipen-Rock-Charme, den man getrost als besten „Pubrock aus deutschen Landen“ bezeichnen kann.
Hermann Schneider singt über den Mainzer Alltag, teilt soziale Beobachtungen und besingt lokale Helden, ohne jemals in den Kitsch abzudriften. Es ist Musik „fer die Leit“. In Mainz und Umgebung genießt die Scheibe längst Kultstatus – wer die 80er in der Region erlebt hat, kam an Batschkapp (nicht zu verwechseln mit dem Frankfurter Club!) schlicht nicht vorbei.
Die LP überzeugt mit zwölf durchweg starken Songs. Neben dem unverzichtbaren Hit über die Meenzer Bube und Mädcher sticht vor allem das Stück „Hautevolee“ heraus. Und wer genau hinhört: „Is es werklich soweit“ weckt wohlige Erinnerungen an den entspannten Sound eines J.J. Cale. Mit „Meenz bleibt Meenz“ liefert die Band zudem eine rockige und herrlich selbstironische Antwort auf das angestaubte klassische Motto.
2019 verstarb Hermann Schneider, von allen nur liebevoll „Onkel Hermann“ genannt. Wie tief er in der Seele der Stadt verwurzelt war, zeigte sich kurz darauf im Stadion: Beim ersten Heimspiel nach seinem Tod ehrten ihn die Fans von Mainz 05 mit einem Banner:
„Joe Cocker vun de Vilzbach! Ruhe in Frieden, Onkel Hermann.“
Dass dabei sein größter Hit durch die Stadionlautsprecher hallte, versteht sich von selbst. Und auch in den kommenden Tagen wird dieser Song wieder überall in der Mainzer Altstadt zu hören sein – laut, stolz und „werklisch“ echt.