
Gentle Giant: https://www.youtube.com/watch?v=3rfW6FIrqlc
Van Der Graaf Generator: https://www.youtube.com/watch?v=rcxiqVp1mbU
Moderator: Pavlos
Ganz so krass wurden meine Gefühle nicht geschüttelt, aber das angenehmere Gefühl liegt eindeutig bei dem Riesen.Beatnik hat geschrieben: ↑Di 30. Mai 2023, 19:02 Es ist durchaus eine interessante Erfahrung, zwei Alben, die man schon immer für unverzichtbar hält und die man aufgrund ihres Alters auch längst irgendwie verinnerlicht hat, einander gegenüber zu stellen. Ich habe das jetzt mit diesen beiden Scheiben gemacht, sie beide komplett nacheinander durchgehört und stelle fest, dass sich mein Allgemeinverständnis für Musik (auch was die stilistischen Präferenzen angeht) nicht grossartig verändert hat; zumindest nicht, was diese beiden Alben betrifft. Und dennoch habe ich eine entscheidende Feststellung machen können, die ich so natürlich zuvor nicht machen konnte, weil ich die beiden Alben nie einander in direkter Konkurrenz gegenüberstellen musste. Ich war selber überrascht, dass es nun trotzdem einen so eindeutigen Sieger gab am Ende.
Wenn ich die Gentle Giant CD einlege, bin ich sofort mittendrin in diesem ureigenen musikalischen Universum der Shulman Brüder. Ich muss mich da nicht hineinversetzen - ich steige ein in den hippiesken Gentle Giant Bus und er nimmt sofort Fahrt auf: Kein Anfahren, kein langsam in die Gänge kommen, sondern sofort auf angenehm empfundener Fahrt. Die irgendwie erwartete Achterbahnfahrt bleibt überraschenderweise aus, denn dieser Gentle Giant Bus rollt zwar nicht rund, aber dieses feine Zuckeln und Rütteln hat etwas Angenehmes. Beide Achsen dieses Gefährts haben eine leichte Unwucht. Es rumpelt und vibriert moderat, und das während der ganzen Fahrt - ich empfinde dieses Reisegefühl als äusserst angenehm und gelenkschonend. Am Ende der Busreise steige ich aus und verspüre ein leichtes Vibrieren am ganzen Körper - der Nachhall, der noch eine zeitlang wirkt, bevor sich die Vibrationen langsam verflüchtigen.
Danach starte ich den Van Der Graaf'schen Generator. Erster Eindruck: Läuft das Ding überhaupt ? Dieses Säuseln von so einem Generator ? Doch er kommt langsam in die Gänge. Schnauft langsam drauflos und mit der Zeit fühle ich mich angenehm eingelullt in ein sehr organisches, sehr unterhaltsames und dennoch anspruchsvolles Dröhnen. Doch dann verselbständigt sich dieser Generator und entwickelt sich langsam, aber stetig zu einer wahren Höllenmaschinerie: Es faucht und rumpelt, und das zuerst wohlige Gefühl weicht einem leichten Unwohlsein, das immer stärker wird. Jetzt spüre ich meine Nackenhaare und tauche ein in diese völlig entfesselte Dramaturgie. Hin- und hergerissen in einem Wechselbad aus lähmendem Schweben und bedrohlich wirkender Raserei, die sich zum Ende hin in einer düsteren Kakophonie entlädt und mich schliesslich sprachlos zurücklässt. Was bin ich froh, dass dieser Generator nicht explodiert ist. Was für eine Achterbahnfahrt. Ich steige aus und mir zittern die Knie. Alle Sinne wieder beisammen ? Gut, überstanden!
Sehr schön geschrieben, und ein schöner Beweis dafür, dass die Emotionalität immer über die Rationalität siegt. So muss das seinPavlos hat geschrieben: ↑Mi 31. Mai 2023, 21:51 Ganz, ganz schwieriges Ding für mich. Auf der einen Seite Gentle Giants filigranes Debüt, das noch etwas in den späten 60ern verwurzelt ist, aber hier und da schon den Sound kommender Großtaten ankündigt ('Alucard'). AUf der anderen Seite VdGG mit ihrem dominanten, ja fast schon bedrohlich wirkenden Saxofon und diesem ganz speziellen Wahnsinn in Hammills Stimme. Die VdGG ist vielleicht anstrengender, da muss ich gerade in der zweiten Hälfte schon in der richtigen Stimmung für sein. Die GG geht eigentlich immer, die fängt so wunderbar leichtfüssig an, nur um dann immer wieder mal Prog-Krümmel vor den hungrigen Hörer zu werfen. Wie gesagt, schwierig. Am Ende hab ich dann doch für GG gestimmt, denn die kenn ich länger, die hab ich einfach mehr verinnerlicht. Das ist jetzt zwar ein Pillepalle-Grund, aber bei zwei Klassikern auf qualitativer Augenhöhe führt am Ende immer sowas banales zu einer Entscheidung. Leider.