
Beatnik's Lieblingsfilme
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Beatnik's Lieblingsfilme
Ich denke, mein Filmgeschmack ist etwas anders als eurer. Ich möchte hier in loser Folge ein paar Filme reinstellen, die mich sehr beeindruckt haben, und die ich auch meist schon mehrfach gesehen habe. Wir sehen ja eher wenig fern, dafür umso lieber einen guten Film. Morgen stelle ich euch den ersten vor. 

Ich spreche zwar nur ein paar Brocken Klartext, dafür fliessend ironisch.
Die wunderbare Zumutung, selbst denken dürfen zu müssen.
Die wunderbare Zumutung, selbst denken dürfen zu müssen.
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Re: Beatnik's Lieblingsfilme
Cool. Mach mal. Könnte ich theoretisch eigentlich auch machen. 2026 jährt sich die von mir im Filmforum "movie-infos" ins Leben gerufene Wahl der 50 beliebtesten Filme aller Zeiten zum 20. Mal. In diesem Zeitraum habe ich diese Wahl 13x veranstaltet - da das Interesse am Forum allgemein aber stark nachgelassen hat in den letzten Jahren zuletzt immer seltener. Für kommendes Jahr zum Jubiläum plane ich eigentlich nochmal einen Durchgang.Beatnik hat geschrieben: ↑Di 25. Feb 2025, 19:43 Ich denke, mein Filmgeschmack ist etwas anders als eurer. Ich möchte hier in loser Folge ein paar Filme reinstellen, die mich sehr beeindruckt haben, und die ich auch meist schon mehrfach gesehen habe. Wir sehen ja eher wenig fern, dafür umso lieber einen guten Film. Morgen stelle ich euch den ersten vor.![]()
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Re: Beatnik's Lieblingsfilme

Das finstere Tal
(Österreich 2014 • Regie: Andreas Prochaska)
Handlung
Wer bei der Beschreibung "alpiner Western" zunächst eher höhnisch lächeln wollte, dem vergeht das Grinsen gleich in den ersten Minuten: Da reitet Sam Riley mit Hut, Mantel, Pferd und Maultier im Schlepptau in das titelgebende Hochtal ein. Es ist Herbst, die Pfade sind schlammig und die Kleidung der Menschen, die stumm und feindselig den Einritt des Fremden bestaunen, abgetragen und schmutzig. Man merkt sofort, dass der österreichische Regisseur Andreas Prochaska sich bei der Inszenierung einmal nicht an den redseligen Genreimitationen von Quentin Tarantino orientiert. Das alpine Setting in seiner visuellen Pracht verspricht angenehme Ironiefreiheit. Die latente Bedrohung, die hier von den ersten Minuten an in der Luft liegt, lässt sich dadurch als echte Spannung geniessen – keine Besserwisserpointe wird den Gang der Dinge der Lächerlichkeit preisgeben.
Diese Ernsthaftigkeit ist das grosse Plus von Prochaskas Verfilmung des gleichnamigen Romans und Überraschungserfolgs von Thomas Willmann. Sie verleiht der Rachegeschichte das nötige Gewicht. Sam Riley in der Hauptrolle von Greider, dem rätselhaften Fremden, verkörpert diesen Ernst mit geradezu magnetischer Aura. Natürlich weiss man, dass er mehr im Schilde führt, als er zunächst vorgibt. Er ist den Dorfbewohnern nicht unähnlich, die mit starren, misstrauischen Blicken sein Tun verfolgen. Man kann als Zuschauer kaum den Blick von ihm lassen.
Die ungefähr um 1900 angesetzte Handlung sei hier nur angedeutet: Der aus den USA angereiste Greider nimmt unter dem Vorwand, fotografieren zu wollen, für den Winter Quartier in dem abgelegenen Hochtal, das nach dem ersten grossen Schneefall von der Welt abgeschnitten wird. Obwohl ihm die Herren des Tals, ein alter Bauer namens Brenner (gespielt von Hans-Michael Rehberg) und seine sechs Söhne (den ältesten gibt Tobias Moretti), dazu die Erlaubnis erteilen, läuft doch alles bald auf eine Konfrontation hinaus. Eine Serie von Rückblenden gibt unterdessen Hinweise auf Greiders eigentliches Anliegen.
Willmanns Vorlage ist keine grosse Literatur, funktioniert aber bestens als historischer Krimi von ungewöhnlicher atmosphärischer Dichte. Prochaska trägt dem Rechnung, indem er in seiner Verfilmung mehr auf Stimmung als auf Figurenzeichnung setzt. Egal ob die Kamera den Blick über das majestätisch verschneite Tal mit seinen schwarzen Wäldern schweifen lässt oder über die verbrauchten Gesichter der Dorfbewohner mit all ihren Falten und Tränensäcken, stets geht es ums Herausstreichen gewisser emotionaler Tonlagen wie Unerbittlichkeit, Härte, Mysterium, Gefahr oder Hass.
Kamera, Ausstattung und eine hervorragende Soundtechnik bringen den Winter hier in atemberaubender Unmittelbarkeit auf die Leinwand. Aus dem hallenden Knarzen der Äste, dem schmatzenden Einsinken der Schritte oder dem trockenen Hall eines Schusses baut der Film eine weit über die Rachehandlung hinausgehende Spannung auf. Als Zuschauer bedauert man deshalb entgegen dem Strom der Handlung am Ende geradezu, dass es doch wieder Frühling wird.
Persönliche Wertung:

Pro

Der Wiener Regisseur Andreas Prochaska hat einige kleinere Kinoproduktion geleitet und war zudem für Fernsehfilme und Serien eingesetzt. Das finstere Tal heisst sein aufwändiges Alpenspektakel, welches dem Western-Genre zugeschlagen wird. Der österreichisch-deutsche Film, nach dem gleichnamigen Roman von Thomas Willmann gedreht, wurde 2014 mit dem Bayerischen Filmpreis für die beste Regie ausgezeichnet. Tobias Moretti erhielt den Preis als bester Darsteller (gleichzeitig für „Hirngespinster“).
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erreicht ein junger US-amerikanischer Fotograf namens Greider (Sam Riley) zu Pferd und mit seinem 'Kasten' ein Alpendorf. Die Gegend wird von dem Bauern Brenner und seinen sechs Söhnen durch Gewalt und Tyrannei beherrscht. Sie begegnen dem Fremden, der deutsch spricht, mit Ablehnung, gewähren ihm jedoch gegen Geld ein Quartier für die Wintermonate bei der Gaderin (Carmen Gratl) und ihrer Tochter Luzi (Paula Beer). Einige Tage später kommen kurz hintereinander zwei der Brenner-Söhne um. Der Verdacht fällt auf Greider. Offensichtlich hat dieser es darauf angelegt. Die verbliebenen Söhne, angeführt von Hans Brenner (Tobias Moretti), wissen, was zu tun ist. Eine der ersten Szenen erinnert - insbesondere wegen der musikalischen Begleitung - an Tarantino. Greider unchained wiederholt sich erst zur Abrundung beim Showdown und kommt eher nicht satirisch. Dazwischen ist alles anders. Der Film erzeugt von Beginn an eine atemberaubend düstere Atmosphäre. Die aufwändige Kameraführung ist ruhig und zaubert viele wuchtige Bilder, die mit einer bewundernswerten Gleichmässigkeit durchfahren werden. Zeitlupensequenzen, die bei Filmen wie 300 unabdingbar erscheinen, gibt es im finsteren Tal keine und müssen auch nicht sein. Die Musik mit Last auf Cello und diversen Blasinstrumenten bis zum Alphorn verstärken jeden Moment. Wenn die Szenerie Tempo aufnimmt, gehen auch das Aufnahmegerät und die akustische Unterstützung mit. Das ist unheimlich gut abgestimmt. Dazu elektrisieren lakonische Dialoge die zwischen Greider und den Brenner-Brüdern eh schon geladene kalte Luft zu einer Umgebung der Feindseligkeiten.
Prochaska legt zu Beginn Wert auf Realität. Man fragt sich, wo er bzw. der routinierte Caster für Filme im deutschsprachigen Bereich Nessie Nesslauer diese Landgesichter herbekommt. Es ist einfach stark inszeniert. Die raffiniert eingefangene Trostlosigkeit wird ein wenig (und gewollt) mit Neugier und Skepsis um den Fremden verdrängt. Paula Beer ist als Luzi eine unübertriebene Landschönheit mit Ausstrahlung. Das Geschau von Sam Riley passt vortrefflich in die Situationen und ähnelt dem des etwas älteren Michael Shannon. Tobias Moretti gibt dem Opponenten Hans Brenner eine böse und selbstherrliche Persönlichkeit, die seinesgleichen sucht. Nachdem geklärt ist, wer wem ans Leder will, ist noch viel Zeit, die Story droht dünn zu werden. Doch die Drehbuchautoren haben in diesem Part recht geschickt Handlungen ausgebreitet, zudem die Enthüllung der Geschehnisse, die 20 Jahre zurück liegen. Wie so oft in aktionsgeladenen Filmen schiessen nicht nur Greider und die Brenner-Brüder, sondern auch der Filmemacher, und zwar ein wenig über das Ziel hinaus. Die plötzliche Hilfe für Greider in brenzliger Situation z.B. mag nicht logisch, sondern wie ein wunderbarer Zufall erscheinen. Und die Realität hat schon vorher einbüssen müssen, denn allmählich und immer mehr ist die Rache im finsteren Tal zu einem Western-Märchen mit Duell-Bestellung geworden. Diesem Umstand ist es dann zu verdanken, dass die FSK trotz einprägsamer Gewaltdarstellung 12-Jährigen (und 6-Jährigen in Begleitung der Eltern) für diesen Film Einlass gewährt. Das finstere Tal ist starkes Kino, das noch lange nach dem Abspann aufwühlt und insbesondere dem Zuschauer vollkommen gefallen wird, der sich mit einer Westernheldengeschichte anfreunden kann.
Contra

Verleih Warner, Produktion X-Filme. Da sollte man was erwarten dürfen und erhält folgendes: Aus Amerika angereist, in einem fremden Land (Deutschland oder Österreich), allein gegen sechs Brüder, befreit der Held die Bevölkerung eines abgelegenen Weilers in den Alpen, die ihm erst in allerletzter Sekunde zu Hilfe kommt. Er rächt seinen eigenen Vater, indem er einen Priester tötet, besagte sechs Brüder und das dazugehörige Familienoberhaupt niederschiesst. Dabei bewegt er sich in unbekannter Umgebung unbemerkt und schneller, als die dort Geborenen. Er findet sich problemlose im harten, alpinen Winter zurecht, baut flux eine massgeschneiderte Falle und obsiegt gegen eine Übermacht. Immerhin einige Naturbilder dieser sinnlosen und unorginellen Handlung sind sehenswert. Der Film als Ganzes ist ziemlicher Käse, das Schauspiel zum Teil erbärmlich, die Handlung und ihre Inszenierung eine Beleidigung. Der Soundtrack ist Englisch und modern für diesen Film, der sich wohl versucht um das Ende des 19. Jhdts. einzuordnen. Was für eine gelungene Idee diese Musikwahl doch ist (Ironie!). Wen das noch nicht abstösst, den erledigt der Film mit typischen Western Einstellungen, die in Szenerie und Handlung genau so zu dem alpinen Thema passen, wie die Musik zu der Zeit der Handlung. Am schlimmsten jedoch ist die Sprache, die der inszenatorischen Unfähigkeit und Entscheidungsschwäche die Krone aufsetzt. Ob die Schauspieler mit Akzent und Dialekt oder ohne sprechen sollen, scheint bis zum Ende nicht entschieden. Das seichte Geschwafel ohne eine authentische Sprache, stattdessen mit schlecht eingeübten Dialekteinschüben rundet etwas ab, das den Namen Film nur als mediale Zuordnung, nicht aber als künstlerische oder unterhaltende Kategorie verdient. Hätte ein Amerikaner so einen Mist produziert, könnte man ihn wenigstens auslachen. So muss man sich in Scham abwenden, was da schon wieder mit Rundfunkgeldern und breitester Filmförderung im deutschsprachigen Raum für ein Dreck produziert wurde. Bewertung 1 Stern - obwohl dies Werk keinen verdient.
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Re: Beatnik's Lieblingsfilme
Werde ich auch mal machen, ich habe eine beachtliche Sammlung auf BluRay, DVD und VHS, die ich genauso hüte wie meine Alben.Beatnik hat geschrieben: ↑Di 25. Feb 2025, 19:43 Ich denke, mein Filmgeschmack ist etwas anders als eurer. Ich möchte hier in loser Folge ein paar Filme reinstellen, die mich sehr beeindruckt haben, und die ich auch meist schon mehrfach gesehen habe. Wir sehen ja eher wenig fern, dafür umso lieber einen guten Film. Morgen stelle ich euch den ersten vor.![]()

Ars Longa Vita Brevis
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Re: Beatnik's Lieblingsfilme
Kurze Frage . woher stammen denn die 2 Kritiken ?Beatnik hat geschrieben: ↑Mi 26. Feb 2025, 08:07
Das finstere Tal
(Österreich 2014 • Regie: Andreas Prochaska)
Handlung
Wer bei der Beschreibung "alpiner Western" zunächst eher höhnisch lächeln wollte, dem vergeht das Grinsen gleich in den ersten Minuten: Da reitet Sam Riley mit Hut, Mantel, Pferd und Maultier im Schlepptau in das titelgebende Hochtal ein. Es ist Herbst, die Pfade sind schlammig und die Kleidung der Menschen, die stumm und feindselig den Einritt des Fremden bestaunen, abgetragen und schmutzig. Man merkt sofort, dass der österreichische Regisseur Andreas Prochaska sich bei der Inszenierung einmal nicht an den redseligen Genreimitationen von Quentin Tarantino orientiert. Das alpine Setting in seiner visuellen Pracht verspricht angenehme Ironiefreiheit. Die latente Bedrohung, die hier von den ersten Minuten an in der Luft liegt, lässt sich dadurch als echte Spannung geniessen – keine Besserwisserpointe wird den Gang der Dinge der Lächerlichkeit preisgeben.
Diese Ernsthaftigkeit ist das grosse Plus von Prochaskas Verfilmung des gleichnamigen Romans und Überraschungserfolgs von Thomas Willmann. Sie verleiht der Rachegeschichte das nötige Gewicht. Sam Riley in der Hauptrolle von Greider, dem rätselhaften Fremden, verkörpert diesen Ernst mit geradezu magnetischer Aura. Natürlich weiss man, dass er mehr im Schilde führt, als er zunächst vorgibt. Er ist den Dorfbewohnern nicht unähnlich, die mit starren, misstrauischen Blicken sein Tun verfolgen. Man kann als Zuschauer kaum den Blick von ihm lassen.
Die ungefähr um 1900 angesetzte Handlung sei hier nur angedeutet: Der aus den USA angereiste Greider nimmt unter dem Vorwand, fotografieren zu wollen, für den Winter Quartier in dem abgelegenen Hochtal, das nach dem ersten grossen Schneefall von der Welt abgeschnitten wird. Obwohl ihm die Herren des Tals, ein alter Bauer namens Brenner (gespielt von Hans-Michael Rehberg) und seine sechs Söhne (den ältesten gibt Tobias Moretti), dazu die Erlaubnis erteilen, läuft doch alles bald auf eine Konfrontation hinaus. Eine Serie von Rückblenden gibt unterdessen Hinweise auf Greiders eigentliches Anliegen.
Willmanns Vorlage ist keine grosse Literatur, funktioniert aber bestens als historischer Krimi von ungewöhnlicher atmosphärischer Dichte. Prochaska trägt dem Rechnung, indem er in seiner Verfilmung mehr auf Stimmung als auf Figurenzeichnung setzt. Egal ob die Kamera den Blick über das majestätisch verschneite Tal mit seinen schwarzen Wäldern schweifen lässt oder über die verbrauchten Gesichter der Dorfbewohner mit all ihren Falten und Tränensäcken, stets geht es ums Herausstreichen gewisser emotionaler Tonlagen wie Unerbittlichkeit, Härte, Mysterium, Gefahr oder Hass.
Kamera, Ausstattung und eine hervorragende Soundtechnik bringen den Winter hier in atemberaubender Unmittelbarkeit auf die Leinwand. Aus dem hallenden Knarzen der Äste, dem schmatzenden Einsinken der Schritte oder dem trockenen Hall eines Schusses baut der Film eine weit über die Rachehandlung hinausgehende Spannung auf. Als Zuschauer bedauert man deshalb entgegen dem Strom der Handlung am Ende geradezu, dass es doch wieder Frühling wird.
Persönliche Wertung:![]()
Pro![]()
Der Wiener Regisseur Andreas Prochaska hat einige kleinere Kinoproduktion geleitet und war zudem für Fernsehfilme und Serien eingesetzt. Das finstere Tal heisst sein aufwändiges Alpenspektakel, welches dem Western-Genre zugeschlagen wird. Der österreichisch-deutsche Film, nach dem gleichnamigen Roman von Thomas Willmann gedreht, wurde 2014 mit dem Bayerischen Filmpreis für die beste Regie ausgezeichnet. Tobias Moretti erhielt den Preis als bester Darsteller (gleichzeitig für „Hirngespinster“).
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erreicht ein junger US-amerikanischer Fotograf namens Greider (Sam Riley) zu Pferd und mit seinem 'Kasten' ein Alpendorf. Die Gegend wird von dem Bauern Brenner und seinen sechs Söhnen durch Gewalt und Tyrannei beherrscht. Sie begegnen dem Fremden, der deutsch spricht, mit Ablehnung, gewähren ihm jedoch gegen Geld ein Quartier für die Wintermonate bei der Gaderin (Carmen Gratl) und ihrer Tochter Luzi (Paula Beer). Einige Tage später kommen kurz hintereinander zwei der Brenner-Söhne um. Der Verdacht fällt auf Greider. Offensichtlich hat dieser es darauf angelegt. Die verbliebenen Söhne, angeführt von Hans Brenner (Tobias Moretti), wissen, was zu tun ist. Eine der ersten Szenen erinnert - insbesondere wegen der musikalischen Begleitung - an Tarantino. Greider unchained wiederholt sich erst zur Abrundung beim Showdown und kommt eher nicht satirisch. Dazwischen ist alles anders. Der Film erzeugt von Beginn an eine atemberaubend düstere Atmosphäre. Die aufwändige Kameraführung ist ruhig und zaubert viele wuchtige Bilder, die mit einer bewundernswerten Gleichmässigkeit durchfahren werden. Zeitlupensequenzen, die bei Filmen wie 300 unabdingbar erscheinen, gibt es im finsteren Tal keine und müssen auch nicht sein. Die Musik mit Last auf Cello und diversen Blasinstrumenten bis zum Alphorn verstärken jeden Moment. Wenn die Szenerie Tempo aufnimmt, gehen auch das Aufnahmegerät und die akustische Unterstützung mit. Das ist unheimlich gut abgestimmt. Dazu elektrisieren lakonische Dialoge die zwischen Greider und den Brenner-Brüdern eh schon geladene kalte Luft zu einer Umgebung der Feindseligkeiten.
Prochaska legt zu Beginn Wert auf Realität. Man fragt sich, wo er bzw. der routinierte Caster für Filme im deutschsprachigen Bereich Nessie Nesslauer diese Landgesichter herbekommt. Es ist einfach stark inszeniert. Die raffiniert eingefangene Trostlosigkeit wird ein wenig (und gewollt) mit Neugier und Skepsis um den Fremden verdrängt. Paula Beer ist als Luzi eine unübertriebene Landschönheit mit Ausstrahlung. Das Geschau von Sam Riley passt vortrefflich in die Situationen und ähnelt dem des etwas älteren Michael Shannon. Tobias Moretti gibt dem Opponenten Hans Brenner eine böse und selbstherrliche Persönlichkeit, die seinesgleichen sucht. Nachdem geklärt ist, wer wem ans Leder will, ist noch viel Zeit, die Story droht dünn zu werden. Doch die Drehbuchautoren haben in diesem Part recht geschickt Handlungen ausgebreitet, zudem die Enthüllung der Geschehnisse, die 20 Jahre zurück liegen. Wie so oft in aktionsgeladenen Filmen schiessen nicht nur Greider und die Brenner-Brüder, sondern auch der Filmemacher, und zwar ein wenig über das Ziel hinaus. Die plötzliche Hilfe für Greider in brenzliger Situation z.B. mag nicht logisch, sondern wie ein wunderbarer Zufall erscheinen. Und die Realität hat schon vorher einbüssen müssen, denn allmählich und immer mehr ist die Rache im finsteren Tal zu einem Western-Märchen mit Duell-Bestellung geworden. Diesem Umstand ist es dann zu verdanken, dass die FSK trotz einprägsamer Gewaltdarstellung 12-Jährigen (und 6-Jährigen in Begleitung der Eltern) für diesen Film Einlass gewährt. Das finstere Tal ist starkes Kino, das noch lange nach dem Abspann aufwühlt und insbesondere dem Zuschauer vollkommen gefallen wird, der sich mit einer Westernheldengeschichte anfreunden kann.
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Verleih Warner, Produktion X-Filme. Da sollte man was erwarten dürfen und erhält folgendes: Aus Amerika angereist, in einem fremden Land (Deutschland oder Österreich), allein gegen sechs Brüder, befreit der Held die Bevölkerung eines abgelegenen Weilers in den Alpen, die ihm erst in allerletzter Sekunde zu Hilfe kommt. Er rächt seinen eigenen Vater, indem er einen Priester tötet, besagte sechs Brüder und das dazugehörige Familienoberhaupt niederschiesst. Dabei bewegt er sich in unbekannter Umgebung unbemerkt und schneller, als die dort Geborenen. Er findet sich problemlose im harten, alpinen Winter zurecht, baut flux eine massgeschneiderte Falle und obsiegt gegen eine Übermacht. Immerhin einige Naturbilder dieser sinnlosen und unorginellen Handlung sind sehenswert. Der Film als Ganzes ist ziemlicher Käse, das Schauspiel zum Teil erbärmlich, die Handlung und ihre Inszenierung eine Beleidigung. Der Soundtrack ist Englisch und modern für diesen Film, der sich wohl versucht um das Ende des 19. Jhdts. einzuordnen. Was für eine gelungene Idee diese Musikwahl doch ist (Ironie!). Wen das noch nicht abstösst, den erledigt der Film mit typischen Western Einstellungen, die in Szenerie und Handlung genau so zu dem alpinen Thema passen, wie die Musik zu der Zeit der Handlung. Am schlimmsten jedoch ist die Sprache, die der inszenatorischen Unfähigkeit und Entscheidungsschwäche die Krone aufsetzt. Ob die Schauspieler mit Akzent und Dialekt oder ohne sprechen sollen, scheint bis zum Ende nicht entschieden. Das seichte Geschwafel ohne eine authentische Sprache, stattdessen mit schlecht eingeübten Dialekteinschüben rundet etwas ab, das den Namen Film nur als mediale Zuordnung, nicht aber als künstlerische oder unterhaltende Kategorie verdient. Hätte ein Amerikaner so einen Mist produziert, könnte man ihn wenigstens auslachen. So muss man sich in Scham abwenden, was da schon wieder mit Rundfunkgeldern und breitester Filmförderung im deutschsprachigen Raum für ein Dreck produziert wurde. Bewertung 1 Stern - obwohl dies Werk keinen verdient.
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Re: Beatnik's Lieblingsfilme
Irgendwo aus dem Netz, frag mich nicht woher. Ich suchte bewusst nach einer positiven und einer negativen Bewertung. Das werde ich auch bei den weiteren Filmen so machen.

Ich spreche zwar nur ein paar Brocken Klartext, dafür fliessend ironisch.
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Re: Beatnik's Lieblingsfilme

Der grosse Coup
(USA 1973 • Regie: Don Siegel)
Don Siegel ist für mich noch immer der Inbegriff für einen der allerbesten Krimi Regisseure. Auch sein 1973 gedrehter Action Film Der grosse Coup mit einem brillianten Walter Matthau in der Hauptrolle des Kleinganoven Charly Varrick gehört zu jenen Filmen von Don Siegel, die ich schon immer möchte und auch gerne schaue. Den grossen Coup habe ich schon zig Mal geschaut und wurde ihn nie leid.
Handlung
Über der verschlafenen Gemeinde Tres Cruces in New Mexico erhebt sich die Morgensonne. Die ansässige Western Fidelity Bank steht ausserhalb des Ortes und eine Limousine, ein Lincoln Continental, fährt an diesem heissen Vormittag geruhsam vor. Darin sitzen der ältliche Mr. Pittis (Walter Matthau) mit seinem gebrochenen Bein und am Steuer seine Ehefrau Nadine (Jacqueline Scott). Letztere erklärt Deputy Sheriff Steele (Colby Chester), der die beiden über das Halteverbot vor der Bank informiert, dass ihr Ehemann leider etwas gehbehindert ist, und Steele lässt die beiden dort parken. Er und sein Kollege Deputy Sanchez (Rudy Fiaz) fahren von dannen.
Indessen betritt Pittis die Bank; seine Frau bleibt im Wagen. Am Schalter möchte Pittis gern einen Scheck einlösen, doch die Kassiererin Miss Ambar (Priscilla Garcia) ist unsicher und will das lieber mit dem Bankmanager Harold Young (Woodrow Parfrey) abklären. Deputy Steele grübelt wegen des Nummernschilds des Lincoln, das er sich gemerkt hat. Er erkundigt sich via Funk, ob die Zulassung aus Colorado vielleicht in einer Liste gestohlener Fahrzeuge enthalten sei. Tatsächlich zeigt sich, dass die Nummer diejenige eines gestohlenen Wagens ist, allerdings nicht die eines Lincolns, und die beiden Polizisten kehren um. In der Bank zückt der vermeintliche Mr. Pittis, tatsächlich ein Mann namens Charley Varrick, eine Pistole und seine längst in der Bank befindlichen Helfer Al Dutcher (Fred Scheiwiller) und Harman Sullivan (Andrew Robinson) springen hinzu.
Aber anstatt wie bei den bisherigen Überfällen auf kleine Provinzbanken mit jeweils einigen Tausend Dollar Beute, erbeuten das Team diesmal eine Dreiviertel Million Dollar, denn die kleine Bank in Tres Cruzes ist ein geheimes Depot für Mafiagelder. Der Überfall gerät komplett ausser Kontrolle, als der Dorfsheriff erneut das Auto der Kleinganoven unter die Lupe nehmen will. Nach einer wilden Schießerei flüchtet Charly Varrick mit seiner Frau und seinem Kumpan. Seine Frau Nadine stirbt jedoch angeschossen noch auf der Flucht. Erst im gemeinsamen Versteck in einem Mobile Home, erkennen Varrick und sein Kumpel Harman, dass sie eine Riesensumme erbeutet haben. Die Folge wird sein, dass ihnen jetzt nicht nur die Polizei, sondern auch die Mafia auf den Fersen sein wird. Diese wiederum setzt einen sadistischen Profikiller, hervorragend gespielt von Joe Don Baker, auf Varrick an. Es ist ein altbekanntes Szenario: Der Held bekommt das Geld der falschen Leute in die Finger und hat bald nicht nur die Polizei, sondern auch einen unerbittlichen Gangster auf den Fersen.
Zwei Highlights in Der grosse Coup sind geniale Verfolgungsjagden zu Beginn und Ende des Films. Anfangs sind die Bankräuber um Varrick auf der Flucht vor dem Sheriff und es kommt zu zwei Karambolagen, in denen ihr Fluchtauto ganz schön mitgenommen wird. Eine amüsante Anekdote zu den Dreharbeiten: Diese beiden Crashs standen anders im Drehbuch. Siegel hatte aber aufgrund der Kostenintensität, und weil die Autos danach Schrott waren, nur einen Take zur Verfügung. Statt der Motorhaube des Polizeiwagens sprang bei dieser Aufnahme die des Fluchtfahrzeugs beim Zusammenprall auf. Die Bankräuber konnten nun nichts mehr sehen, was eine Flucht eigentlich unmöglich macht. Geschickt wurde die Szene umgeschrieben und eine alternative Lösung erdacht. Mittlerweile gehört der Crash mit der offenen Motorhaube zu den prägendsten Szenen des Films. Das Finale ist eine einzige grossartige Reminiszenz an Alfred Hitchcock's Der unsichtbare Dritte und die legendäre Flucht von Cary Grant vor dem Sprühflugzeug - hier nur mit leicht vertauschten Rollen. Diese beiden Verfolgungsjagden sind zwei exemplarische Prunkstücke von Siegel's spannendem Thriller.
Der grosse Coup funktioniert allerdings auch jenseits der beiden Actionszenen. Wie Charley Varrick bei allen Widrigkeiten cool bleibt und stur an seinem Plan festhält, aus dem Schlamassel wieder herauszukommen, ist ein einziger grossartiger Genuss. Es erscheint verständlich, dass Matthau Probleme mit dem Charakter hatte, der nach seiner Ansicht nicht normal handelt. Er ist einfach nicht normal. Er geht über den Verlust seiner Frau hinweg, er ignoriert die Tiefschläge und sucht nach Lösungen. Er versteckt sich nicht, sondern wählt den riskanten Weg, weil er weiss, nur so der Mafia von der Schippe springen zu können. Das ist unorthodox und es gibt sicher auch Zuschauer, die Varrick's Handeln an einigen Punkten kritisch hinterfragen werden, aber das Wichtigste: Es ist insgesamt plausibel und vorstellbar und Varrick eine richtig coole Sau obendrein.
Walter Matthau ist zum Glück Profi genug gewesen, dass man seine persönlichen Ressentiments gegen die Rolle nicht in seinem Spiel wieder findet. Stattdessen gelingt dem Komödiendarsteller hier ein wunderbarer Wechsel ins Thrillerfach, in dem er mehrere Jahre nicht mehr tätig war. Diesen Weg ging er übrigens danach auch im ebenso feinen Krimi Stoppt die Todesfahrt der U-Bahn 123 weiter. Matthau ragt als zentrale Figur klar aus dem Film heraus. Nicht unerwähnt dürfen aber John Vernon (Point Blank, Der Texaner) als Mafiabankier und Joe Don Baker (Junior Bonner, Kap der Angst) als brutaler Killer bleiben. Sie tragen mit zum Gelingen dieses perfekt durchkomponierten Genre Klassikers bei. Ein Thriller, wie er heute viel zu selten noch gemacht wird und einer der sehenswertesten Krimis, die ich je gesehen habe. Die Filmmusik stammt übrigens von Lalo Schifrin.
Persönliche Wertung:

Pro

Der grosse Coup ist konzentriertes Männerkino der alten Schule, ohne in seiner filmischen Präsentation respektive Progression in irgendeiner Weise antiquiert zu erscheinen. Don Siegel beweist sich hier wieder einmal als tadelloser Geschichtenerzähler und stellt einen herrlich minimalistisch agierenden Walter Matthau dem mafiösen Syndikat entgegen. Wer Genre-Filme mag, die sich noch jeglichem Schnickschnack entbehren, der ist hier an der richtigen Adresse.
Contra

Ich habe tatsächlich keine dezidiert negativen Kritiken gefunden.
Ich spreche zwar nur ein paar Brocken Klartext, dafür fliessend ironisch.
Die wunderbare Zumutung, selbst denken dürfen zu müssen.
Die wunderbare Zumutung, selbst denken dürfen zu müssen.