Tranceformer hat geschrieben: ↑Sa 25. Mai 2024, 16:46

The Band – Cahoots - 50th Anniversary Edition“
Die aktuelle GoodTimes-Ausgabe befasst sich in der Titelstory ausgiebig mit „The Band“. Dort erfuhr ich, dass das 1971 veröffentlichte Album „Cahoots“ nichts mit einem typischen The Band Album zu tun hat. Genau mit diesem Album hatte ich mich in der Vergangenheit noch nie auseinander gesetzt. Also legte ich mir das Werk, welches 2021 neu heraus gebracht wurde, in der 50th Anniversary Edition zu.
Die ersten drei Alben der Band wurden der Genre-Schublade „Americana“ zugewiesen, doch damit hat „Cahoots“ wirklich nichts zu tun. Dies macht bereits der Opener „Life Is A Carneval“ deutlich. Was hier aus den Lautsprechern schallt, klingt eher etwas funkig. The Band wird von Saxophonen, Trompeten und Posaunen verstärkt. Für mich klingt es zunächst ungewohnt, doch spätestens beim zweiten Hördurchgang ist dieses ungewohnte Gefühl verschwunden und ich erfreue mich an den anderen The Band-Sound. Es fällt allerdings auf, dass diese LP deutlich glatter produziert wurde. Es fehlt irgendwie die Spontanität, das rohe, rustikale, ungeschliffene der Vorgängeralben. Dennoch, an den Sound der ersten LP-Seite habe ich mich schnell gewöhnt, der Opener könnte sich sogar auf der ein oder anderen Playliste von mir wiederfinden. Ich gebe aber unumwunden zu, mit der zweiten LP-Seite tue ich mich insgesamt ein wenig schwer, die sechs Stücke wollen einfach nicht so recht an mich gehen.
Übrigens, während der Aufnahmen schaute Van Morrison vorbei und steuerte spontan den letzten Song der ersten LP-Seite „4% Pantomine“ bei. Wer Morrisons Music kennt, stellt schnell fest, dass dieser Song nicht gerade sein Meisterwerk ist. Auf der ersten Seite befindet sich aber ein guter Dylan-Song. Auf „Life Is A Carnival“ folgt „When I Paint My Masterpiece“. Diese zwei Songs tragen wesentlich mit dazu bei, dass Seite eins eine gute LP-Seite ist, doch auf „Thinkin´ Out Loud“ und „Smoke Signal“ hätte ich durchaus verzichten können.
Dennoch sehe ich die LP nicht als einen Fehlkauf an. Ganz im Gegenteil, will man einen breiten Überblick über das Schaffen der Band bekommen, gehört dieses Werk unmissverständlich dazu. Mit dazu gehört auch die künstlerische Freiheit, mal andere Weg zu gehen als immer nur auf ausgetretenen Pfaden weiter zu wandeln. Dass ein solches Unterfangen nicht immer nur positive Resonanz hervor ruft, ist dabei das Risiko eines Künstlers. So und jetzt lege ich mir das Abschiedskonzert „The Last Waltz“ auf den Plattenteller.