[GENRE] Jazz - Rock -> Fusion

Jazz; Jazzrock / Fusion etc.
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BRAIN
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[GENRE] Jazz - Rock -> Fusion

Beitrag von BRAIN »

JAZZ UNTER STROM

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BLUES, ist der gemeinsame Vorfahre von Rock und Jazz, kein Wunder, dass sich die beiden Stile irgendwann begannen zu kreuzen.
Genauer gesagt, war das Mitte der Sechziger, als Jazzer wie Gary Burton oder Charles Lloyd Songs der Beatles interpretierten, oder Herbie Hancock der sein Piano durch ein "Fender Rhodes Electric Piano" ersetzte.
Im Rockbereich führten Bands wie Cream und Colosseum ausgedehnte Improvisationen ein.
Bei Blood, Sweat & Tears, Chicago Transit Authority, IF und Nucleus dominierten große Bläsersätze das Klangbild, die sich Stilmittel des Bigband Jazz aneigneten.
Der Paukenschlag war allerdings die Veröffentlichung von Miles Davis Bitches Brew-Album.
Heute kaum noch vorstellbar, aber damals wurde der funkige Rockrhythmus, des Albums, als kommerzieller Ausverkauf des Jazz kritisiert.
Die Bands aller beteiligten Bitches Brew-Musiker zählten, in den Siebziger Jahren, zu den führenden Formationen des sogenannten "Fusionjazz".
Wayne Shorter, Joe Zawinul (Weather Report) ; Chick Corea, Lenny White (Return to Forever) ; John McLaughlin (Mahavishnu Orchestra) ; Herbie Hancok (Headhunters) usw.
Auch in Europa entwickelten sich eigenständige Jazzrock-Szenen.
In England etwa der "Canterbury Jazz" oder das Centipede-Projekt, die skandinavische Jazz-Szene um Terje Rypdal und Jan Garbarek.
Deutschland wird durch Formationen von Wolfgang Dauner (Et Cetera) Volker Kriegel (Mild Maniac Orchestra) Klaus Doldinger (Motherhood, Passport) oder Bands wie Embryo und Kraan vertreten.
ECM avancierte zum wichtigsten europäischen Jazzlabel.
Im Laufe der Jahre verflachte jedoch Jazzrock zu funkigem, discomäßigem Kommerz-Gesäusel.
Speziell das ECM-Label hat über Jahre hinweg interessante Musiker etabliert, die allerdings nur ungenügend unter dem Sammelbegriff „Jazzrock“ zu fassen sind.
Die Hochphase war ca. 1969 - 1976 und brachte, rund um den Globus, unterschiedlichste musikalische Kreuzungen hervor.
Auch Bands wie YES, Frank Zappa, King Crimson, Gentle Giant oder Van der Graaf Generator haben Jazzelemte in ihre Musik integriert.
Ein wirklich weites und spannendes Musik-Feld, dass manche für die Krone der musikalischen Evolution halten.

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Louder Than Hell
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Re: [GENRE] Jazz - Rock -> Fusion

Beitrag von Louder Than Hell »

Schön, dass du dieses Thema anschiebst und zugleich eine interessante musikalische Spielart, die man ausbauen sollte.
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Volkeris
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Re: [GENRE] Jazz - Rock -> Fusion

Beitrag von Volkeris »

Ich möchte hier mal einen meiner Lieblingsmusiker vorstellen:

Miles Mosley, der Mann am Kontrabass, hat sich in der Jazz- und Fusion-Szene einen Namen gemacht – und das nicht ohne Grund. Sein Musikstil ist wie eine Reise durch ein bunt gemischtes Sounduniversum. Er jongliert geschickt mit Jazz, Funk, Rock und allem, was dazwischen liegt. 🎵🎸

Miles ist nicht nur ein Künstler, sondern auch ein Teamplayer. Als Mitglied von "The West Coast Get Down" hat er mit Größen wie Kamasi Washington und Thundercat zusammengearbeitet. Das ist wie die Avengers der Jazzmusik, nur mit mehr Bass. 🚀🔊
Hier mit Kamasi Washington:


Sein Debütalbum "Uprising" ist eine klangliche Achterbahnfahrt. Der Mann beherrscht nicht nur den Bass, sondern bringt auch als Komponist und Sänger eine Menge Talent mit. Aufgrund seiner innovativen Herangehensweise am Kontrabass wird er gelegentlich als der "Jimi Hendrix des Kontrabasses" bezeichnet, was auf seine kreative Neuerfindung und Neuinterpretation des Instruments hinweist.🎤🎶

Hier mal Voodoo Child:


Young Lion:


Aber was Miles wirklich auszeichnet, ist seine experimentelle Ader. Der Mann fügt seinem Kontrabass elektronische Effekte hinzu, als wäre er ein Wissenschaftler im Rock-Labor. Das Ergebnis? Ein moderner, kreativer Sound, der die Ohren verwöhnt. 🎛️🔊

Miles Mosleys musikalische Wurzeln erstrecken sich über verschiedene Genres und tragen zu seiner einzigartigen und innovativen Herangehensweise an den Jazz und die Fusion bei. Tief in der Jazztradition verankert, schöpft er Inspiration aus Größen wie Charles Mingus, dessen kühne Experimentierfreude und Fähigkeit, Genre-Grenzen zu überwinden, Mosley beeinflusst haben. 🎺🎶

Der Einfluss von Funk und Soul ist in Mosleys Musik unübersehbar, und er greift auf Elemente wie kraftvolle Rhythmen, tief verwurzelte Grooves und soulige Melodien zurück. Diese Einflüsse sind eine Hommage an Künstler wie James Brown und verleihen seinen Kompositionen eine mitreißende Energie und Tanzbarkeit. 🕺🎤

Die Integration von Rock- und Alternative-Elementen in seinen Sound unterstreicht Mosleys Vielseitigkeit und hebt seine Musik über traditionelle Jazzformen hinaus. Durch die Kombination von Rock-Rhythmen, verzerrten Klängen und experimentellen Ansätzen verleiht er seiner Musik eine zeitgemäße und innovative Dimension. 🤘🎸

Als Mitglied von "The West Coast Get Down" hat Mosley Zugang zu einer Gruppe von Musikern, die den Jazz in neue experimentelle Höhen führen. Die Fusion verschiedener Genres und der Wille, kreative Grenzen zu überschreiten, prägen seine musikalische Identität. Kollaborationen mit Künstlern wie Kamasi Washington erweitern sein Spektrum und ermöglichen es ihm, eine breite Palette von Klängen zu erforschen. 🚀🌐

Neben zeitgenössischen Genres fließen auch Einflüsse aus der klassischen Musik in Mosleys Werk ein. Die Präzision und Virtuosität, die er auf dem Kontrabass zeigt, könnten teilweise auf eine Anerkennung der klassischen Bass-Tradition zurückzuführen sein. 🎻🎼

Insgesamt formen diese vielfältigen Einflüsse Miles Mosleys künstlerische Vision und tragen dazu bei, dass seine Musik anspruchsvoll, zugänglich und genreübergreifend ist. Sein kreativer Ansatz vereint Elemente aus verschiedenen Musikrichtungen zu einem faszinierenden und einzigartigen Klangbild. 🌈🎵

Es ist wie eine Reise durch die verschiedenen Ecken der Musikgeschichte, mit jedem Bassschlag als deinem Reiseführer. Songs wie "Young Lion" oder "L.A. Won't Bring You Down" sind nur der Anfang dieser musikalischen Entdeckungsreise. 🎵🎉

Album "Uprising" 2017:
"Young Lion"

"Abraham"

"L.A. Won't Bring You Down"

"More Than This"

"Heartbreaking Efforts of Others"

"Shadow of Doubt"

"Reap a Soul"

"Sky High"

"Your Only Cover"

"Tuning Out"

"Fire"
“We’re all stories, in the end. Just make it a good one, eh?”
The Doctor

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BRAIN
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Re: [GENRE] Jazz - Rock -> Fusion

Beitrag von BRAIN »

Danke für dein Input.
Ich gabe Mosley zusammen mit Kamasi 2015 Live erlebt und war sehr beeindruckt von seinem spiel.

Hier ein paar Bilder von mir Live in Ludwigshafen.
Mosley leider etwas im Hintergrund.
Kamasi Washington 015.JPG
Kamasi Washington 008.JPG
Kamasi Washington 027.JPG
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Beatnik
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Re: [GENRE] Jazz - Rock -> Fusion

Beitrag von Beatnik »

Hab grad ein sehr schönes Statement von Herbie Hancock gefunden, das ich klasse finde.

Warum ist Jazz nicht mehr Teil der Pop-Szene ?

Hancock: "Weil nicht mehr die Musik zählt. Die Leute interessieren sich nicht mehr für die Musik selbst, sondern wer sie macht. Das Publikum interessiert sich mehr für Prominente und dafür, dass ein bestimmter Künstler berühmter ist als Musik. Die Art und Weise, wie die Zuschauer mit Musik umgehen, hat sich verändert. Es hat keine transzendentale Verbindung mehr zur Musik und ihrer Qualität. Er will nur Glamour.

Jazz will kein Teil davon sein. Weisst du warum ? Es geht nicht um Bescheidenheit oder Arroganz, sondern um eine Haltung des 'Wir wollen nicht berühmt sein, wir sind im Untergrund“. Nichts dergleichen. Bei Jazz geht es um die menschliche Seele, nicht um das Aussehen. Jazz hat Werte, lehrt zu leben. der Moment, zusammen arbeiten und vor allem den anderen respektieren. Wenn Musiker zusammenkommen, um zusammen zu spielen, muss man respektieren und verstehen, was der andere tut. Besonders Jazz ist eine internationale Sprache, die die Freiheit repräsentiert, aufgrund ihrer Wurzeln in der Sklaverei. Man fühlt sich gut mit sich selbst."

(Herbie Hancock)
Es müssen nicht immer neue Wege sein.
Man kann auch alte neu entdecken.

Das Leben ist zu kurz für Fragezeichen.

The only good System is a Sound System 8-)
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Pavlos
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Re: [GENRE] Jazz - Rock -> Fusion

Beitrag von Pavlos »



Ich mag den Kanal von Andy Edwards sehr. Der Mann ist in allen Belangen open minded, hat schon mit vielen bekannten Musikern zusammengearbeitet, kennt sich in vielen Stilen aus, kann hervorragend Schlagzeug spielen, und hat generell Ahnung, von was er da immer spricht. Ob das auch bei diesem Video so ist kann ich nicht sagen, dazu bin ich einfach zu sehr Jazz Frischling, aber dass dieses Thema (unabhängig davon, ob nun wahr ist oder nicht) heutzutage und gerade im Internet extrem dünnes Eis bedeutet, hätte ihm vorher klar sein müssen. Als neutraler Zuschauer finde ich seine Argumentationen jedenfalls nachvollziehbar....mal schauen, wie es weitergeht. Davon ab: spannendes Thema.
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