[REVIEW] Floating Points ; Pharoah Sanders - Promises

& das London Symphony Orchestra

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BRAIN
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[REVIEW] Floating Points ; Pharoah Sanders - Promises

Beitrag von BRAIN »

Floating Points, Pharoah Sanders & Das London Symphony Orchestra - Promises (2021)

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Die Zusammenarbeit zwischen dem 80-jährigen Saxophonisten und dem Elektronikproduzenten erweist sich als Offenbarung.
Es kommt nicht oft vor, dass musikalische Kollaborationen dieser Größenordnung zustande kommen und wenn, ist die Erwartung zermürbend hoch.
Nach fünfjähriger Aufnahmezeit war die Erwartung an Floating Points, Pharoah Sanders und die Promises-LP genau das.
Aber das Experiment ist geglückt, nicht nur in musikalischer Hinsicht.
Promises besteht aus einem einzigen 46-minütigen Track, der sich durch neun "Movements" auszeichnet, und so konzipiert ist, dass es in einer einzigen konzentrierten Session gehört werden kann.
Falls möglich sollte man sowas auf einem Plattenspieler hören, sich eine Stunde Zeit nehmen...es ist echt hypnotisierend.
Diese Aufnahmen verdienen hervorragende Lautsprecher und eine weiche Couch, um den in Ohnmacht fallenden Zuhörer einzufangen.‎

Die Platte beginnt mit -Movements 1-5- einer langsamen, vibrierenden Melodie, die die gesamte Performance antreibt.
Für den größten Teil des Albums wiederholt sich ein einfaches Motiv - eine Phrase von nur wenigen Tönen, gespielt auf Cembalo und Klavier und Synthie, dass wie ein Crescendo abfällt.
Stichwort Tenorsaxophon: Sanders' Spiel ist warm und reich und wächst von dem Moment an, in dem die Lippen das Rohrblatt berühren.
Der Klang ist so unverkennbar Sanders, lyrisch und sanft, dass er sich bei steigender Spannung aus den Streichern des London Symphony Orchestra hervorschlängelt.
Movements 6-9 wird vorrangig vom Orchester geprägt, während Floating Points (auch bekannt als Sam Shepherd) auf einem Cembalo auf und ab spielt.
Die musikalische Handlung entfaltet sich zunehmend, Streicher steigen und fallen mit einer symphonischen Traurigkeit bis alles in einer wilden Improvisation mündet.
Die Platte endet mit einer Rückkehr zur ursprünglichen Melodie, diesmal von Streichern dominiert.
Wenn der letzte Ton verblasst und die Stille endgültig ist, entsteht eine knisternde Atmosphäre.
Es ähnelt dieser schönen Stille, die den Applaus nach einer Live-Aufführung erwartet, diesem Sekundenbruchteil von Geduld und Zögern, bevor das Publikum vor Energie ausbricht.

Promises ist einzigartig und besteht aus subtilen Feinheiten und filmischen Bildern.
Shepherds Komposition ist anmutig, mit all den erkennbaren Elementen seiner elektronischen Produktion.
Es ist eine Feier des Klangs vom Feinsten und Reinsten, vom Klangsplitter bis zum Crescendo, von der kraftvollen Improvisation bis zur Stille.
Ein erfrischender, einzigartiger Dialog zwischen Jazz, Klassik und Elektronik.
In dieser Hinsicht ist das Album nicht nur ein Dialog zwischen Genres, dass die Grenzen der Komposition so weit verschiebt, dass das "Genre" selbst überflüssig wird – sondern ein Dialog zwischen musikalischen Generationen.

Track listing
Seite A - Movement 1-5
Seite B - Movement 6-9

Credits
Floating Points (Sam Shepherd) : composer, arranger, mixing, piano, harpsichord, celesta, electric piano, Hammond organ, analog synthesizer, modular synthesizer
Pharoah Sanders: tenor saxophone, voice
London Symphony Orchestra: strings

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Louder Than Hell
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Re: [REVIEW] Floating Points ; Pharoah Sanders - Promises

Beitrag von Louder Than Hell »

Die Zusammenarbeit zwischen einem Produzenten, einem Saxophonisten und einem Symphonieorchester ist sicherlich etwas Besonderes. Aber es ist das Spiel von Pharoah Sanders, das alles zusammenhält, ein Meisterwerk der späten Karriere.

Das im Raum stehende Versprechen (Promises) dürfte nach meiner Einschätzung auf jeden Fall erfüllt sein. Das Fließende, das Gleitende und die hierbei erzielten musikalischen Tiefen produzieren eine Atmosphäre der Behaglichkeit und inneren Ruhe. Obwohl vieles durch eine Zartheit glänzt, erstrahlt es parallel durch seine kraftvolle Emotionalität.
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