
EXTRAWURST
Die Geschichte:
Im Tennisclub Lengenheide steht die Jahreshauptversammlung an. Unter der Führung des in die Jahre gekommenen Dauerclubpräsidenten Heribert (Hape Kerkeling) sind die Abstimmungen über die Tagesordnungspunkte lediglich Formsache. Auch die Entscheidung über die Anschaffung eines neuen modernen Grills ist vermeintlich schnell durchgewinkt, bis Melanie (Anja Knauer) überraschend Einwände hat. Sie gibt zu bedenken, dass es Muslimen verboten ist, halal(es) Fleisch neben beispielsweise Schweinefleisch zu grillen. Dementsprechend beantragt sie einen eigenen Grill für das einzige muslimische Mitglied des Clubs, ihren Doppelpartner Erol (Fahri Yardim). Während dieser weder einen eigenen Grill möchte, noch die Aufmerksamkeit rund um seine Person schätzt, beharren Miriam und ihr Mann Torsten (Christoph Maria Herbst) auf ihrer Vorstellung kultureller Inklusion, und die Grilldebatte eskaliert zu einem ausufernden Streitgespräch, bis schließlich die ganze Existenz des Tennisclubs Lengenheide bedroht ist.
Als ich die Werbung mit dem Trailer sah, dachte ich zuerst, wie kann man dieses Thema, also eine Mitgliederversammlung eines Tennisvereins, so ausfüllen, dass da über
1 1/2 Stunden keine Langeweile entsteht. Aber ich bin überrascht (gewesen), wie man es tatsächlich so hinbekommt. Der Film basiert auf ein schon vorhandenes Theaterstück, das halt filmisch umgesetzt worden ist.
Und die Filmemacher haben da wirklich aus einem eigentlich sehr wichtiges Thema eine derart humorvolle Komödie gezaubert, dass man nur staunen kann. Die beteiligten Schauspieler setzen grandios die Persönlichkeiten um, die die Thematik ausmacht. Und trotz der Humorkaskaden gibt es Szenen, die einen nachdenklich machen und man muss kurz innehalten. Aber Sekunden später wird man dann wieder mit einem neuen Geck da rausgeholt. Keine Zeit also, um in Ernsthaftigkeit zu versinken. Und glaubt man in einigen Momenten, ah, jetzt ist die Problematik der Geschichte gelöst und der Film zu Ende, wird man von einer weiteren überrascht. Wie sagt man so schön: man kommt "vom Hölzgen zum Stöckchen".
Dass da der zweite Grill nicht nur das Thema ist, wird einem relativ schnell klar. Denn der Film setzt sich mit Themen wie kultureller Identität und Migration auseinander. Dabei spielt auch das Stichwort „Cancel Culture“ eine Rolle (ein politisches Schlagwort, das systematische Bestrebungen zum partiellen sozialen Ausschluss von Personen oder Organisationen bezeichnet, denen unliebsame Aussagen, beziehungsweise Handlungen vorgeworfen werden.) - im Film fallen Aussagen, die durchaus kontrovers sind, und das fällt auch den Charakteren auf.
Der Grill ist also der Grund für alle Verwicklungen, die entstehen. Ist die Basis, worauf alles in der Komödie aufgebaut ist.