Tranceformer hat geschrieben: ↑Fr 3. Apr 2026, 17:17
Dana Fuchs – Zurück nach Deutschland (Live im Rex, Bensheim, 02. April 2026)
Am 28. März startete in Erfurt die Deutschlandtour von Dana Fuchs, die sinnigerweise unter dem Titel „Zurück nach Deutschland“ läuft. Nur einen Tag zuvor veröffentlichte Ruf Records die begleitende Live-LP „Live In Denmark“. Sechs Tage nach dem Tourstart – nach Stationen in Lichtentanne, Lindewerra und Bonn – trat Dana Fuchs nebst Band im Rex in Bensheim auf.
An dieser Stätte hatte ich sie zuletzt im Oktober 2014, also vor fast zwölf Jahren, live erleben dürfen. Damals war es ein grandioses Blueskonzert, gespickt mit reichlich Soul und Funk, bei dem eine Bläsersektion deutlich die Richtung vorgab. Jener Abend ging so unter die Haut, dass mir klar war: Das würde nicht mein letztes Fuchs-Konzert gewesen sein.
Dass die Neuauflage fast zwölf Jahre auf sich warten lassen würde, hätte ich damals nicht für möglich gehalten. Doch das Warten hat sich gelohnt: Dana Fuchs, Jon Diamond und Co. lieferten ein Konzert der Extraklasse ab. Im Rex passte diesmal schlicht alles. Dabei war ich mit gemischten Gefühlen angereist, nachdem ich die neue Live-LP mehrfach gehört hatte. Die Songauswahl der Platte ist zwar durchweg gut, doch die Darbietung wirkt glatt und jeglichen Live-Spirits beraubt.
Der Konzertabend begann für mich bereits auf der einstündigen Hinfahrt, während der ich mir im Stream noch einmal die CD-Variante von „Live In Denmark“ anhörte. CD und LP weichen nämlich deutlich voneinander ab. Schnell wird klar, dass die aktuelle Besetzung mit einer schmaleren Instrumentierung auskommt. Das schadet jedoch nicht, da Dana Fuchs über eine brillante, ausgebildete Stimme verfügt, die sie virtuos einzusetzen weiß. Das Dänemark-Album deutete zudem bereits an, dass sich Fuchs und Band aktuell im Southern Rock sichtlich wohlfühlen.
Genau dieses Gefühl bestätigte sich im Rex. Pünktlich um 20 Uhr forderte ein gut gelauntes Publikum die Künstler auf die Bühne. Wenige Minuten später gingen die Lichter an und Jon Diamond breitete mit seiner Gitarre im Opener „Double Down On Wrong“ einen Klangteppich aus, der, von Bass und Schlagzeug veredelt, durch Mark und Bein ging – mein erster Gänsehautschauer des Abends. Künstler und Publikum verschmolzen sofort zu einer harmonischen Einheit, was Diamond mit einem zufriedenen Lächeln quittierte.
Dann betrat Dana Fuchs im 70er-Jahre-Retrolook die Bühne. Mit ihrer offenen Art suchte sie sofort den Kontakt: Hier eine Umarmung, dort ein Händedruck – aus gegenseitiger Sympathie wurde Herzlichkeit. Und dann der Gesang: Wow! Jeder Ton saß, kein Fehlgriff, pure Begeisterung. Ich habe schon viele Konzerte im Rex miterlebt, bei denen der Sound nicht immer optimal war, doch an diesem Abend stimmte einfach alles.
Auf den Opener folgte „Hard Road“ und schließlich „Blue Mist Road“. Letzterer fehlt auf der Live-LP leider schmerzlich, obwohl er bereits auf dem 2022er Studioalbum Borrowed Time zu den absoluten Highlights zählte. Im Rex passte er atmosphärisch perfekt: Desert-Blues trifft auf Southern Rock. Jon Diamonds Gitarrenspiel war schleppend, die Grooves schwer und intensiv. Dana Fuchs packte ihre gesamte Klasse aus, zügelte ihr Temperament und baute einen gigantischen Spannungsbogen auf. Zwischen rauchigem Flüstern und eruptiven Schreien beschwor sie erneut das Gänsehaut-Feeling herauf.
Nach der gekonnt vorgetragenen Ballade „Nothing You Own“ steuerte die Band mit „Home Is Where The Hatred Is“ auf das nächste Highlight zu. Das Original stammt von Gil Scott-Heron (1971) und ist ein düsteres Porträt von Drogenabhängigkeit. In Bensheim wurde diese Mischung aus Soul, Funk und Jazz mit einem treibenden Basslauf und Southern-Rock-Elementen verknüpft. Auch dieser Song fehlt auf der Live-LP, zeigt aber deutlich, dass Dana Fuchs ihre hypnotische Soul-Seite nicht verloren hat – und dass der Vergleich mit Janis Joplin zwar immer wieder aufkommt, sie aber längst ihre ganz eigene, kontrollierte Kraft gefunden hat.
Zum Ende des offiziellen Teils griff die Frontfrau zur akustischen Gitarre für das country-rockige „Battle Lines“. Bevor sie jedoch den Titelsong der 2022er LP, „Borrowed Time“, anstimmte, nahm sie sich Zeit zum Stimmen der Saiten. Das erinnerte mich an Hannes Wader, der einmal scherzte, er beneide seine amerikanischen Kollegen, die gleichzeitig stimmen und Geschichten erzählen könnten („Ich kann auch erzählen, doch wer stimmt dann meine Gitarre?“). Dana Fuchs kann beides: Sie stimmte, erzählte, lächelte und setzte mit „Borrowed Time“ schließlich das sprichwörtliche Tüpfelchen aufs I.
Im Zugabenteil folgte der Jagger/Richards-Klassiker „Sympathy For The Devil“, bei dem insbesondere Piero Perelli am Schlagzeug sein ganzes Können unter Beweis stellte. Zusammenfassend lässt sich festhalten: Es war – wieder einmal – ein rundum gelungener Abend im Musiktheater Rex.