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Planet Wendepunkt – Der Anfang vom Ende
Verfasst: Mi 18. Mär 2026, 22:23
von BRAIN
Planet Wendepunkt – Welche Entscheidung hat eine große Band dauerhaft geschwächt?
Viele große Bands hatten im Lauf ihrer Karriere einen ganz bestimmten Moment, an dem sich etwas grundlegend verändert hat.
Manchmal war es ein Besetzungswechsel, manchmal ein Stilbruch, manchmal eine strategische Fehlentscheidung. Und oft stellt sich im Rückblick die Frage, ob genau dort der Punkt lag, an dem es dauerhaft bergab ging.
In diesem Thread geht es genau um diesen einen entscheidenden Wendepunkt.
Welche konkrete Entscheidung hat eine große Band eurer Meinung nach nachhaltig geschwächt?
Das kann zum Beispiel sein:
• ein Sängerwechsel
• der Ausstieg eines wichtigen Songwriters
• ein radikaler Stilwechsel
• eine unglückliche Produktion
• oder ganz allgemein eine Weichenstellung, von der sich die Band nie mehr ganz erholt hat
Wichtig ist dabei:
Bitte pro Beitrag nur einen einzigen Wendepunkt nennen und diesen sauber begründen.
Also nicht die komplette Bandkarriere sezieren, sondern möglichst klar benennen:
Welche Entscheidung war der Knackpunkt – und warum?
Spannend ist dabei auch die Frage:
War die Band danach wirklich dauerhaft geschwächt?
Oder war es vielleicht nur aus Sicht eines Teils der Fans ein Fehler?
Ich bin gespann.
Re: Planet Wendepunkt – Der Anfang vom Ende
Verfasst: Mi 18. Mär 2026, 22:49
von Sirius
Soll es um persönliche Einschätzungen gehen, die ja oft nicht allgemein anerkannt werden, oder um konkrete Abstürze von Bands, die zB den Stil drastisch änderten, da fällt mir auf Anhieb Paradise Lost ein.
Für mich gibt es etliche Bands/Acts, die irgendwann langweilig wurden, wie Ayreon, da mit der Zeit das ursprünglich spannende Konzept und die Musikthemen sich wiederholten. The Theory of Everything war schon nicht mehr so stark, mit The Source war dann Ende bei mir.
Re: Planet Wendepunkt – Der Anfang vom Ende
Verfasst: Mi 18. Mär 2026, 23:05
von Beatnik
Ein Paradebeispiel hierfür war für mich immer die Geschichte der Band McGuinness Flint. Der Bandname setzte sich zwar zusammen aus den beiden Bandgründern Tom McGuinness und Hughie Flint, doch die beiden Hauptsongschreiber waren Benny Gallagher und Graham Lyle. Sie schrieben alle Hits und relevanten Songs, mit denen McGuinness Flint erfolgreich waren. Als die beiden Musiker 1972 die Gruppe verliessen, um gemeinsam als Duo weiterzumachen, sank die Qualität der Songs von McGuinness Flint rapide und die Band versank in der Bedeutungslosigkeit. McGuinness Flint war also eine Band, der ihre Songschreiber abhanden kamen. Später starteten die Musiker jedoch sehr erfolgreich eine weitere Band namens The Blues Band. Diese Gruppe blieb schliesslich über eine viel längere Zeitspanne erfolgreich als die zuvor bei McGuinness Flint ausgestiegenen Gallagher und Lyle, die ab den frühen 80er Jahren keinen Erfolg mehr verbuchen konnten und ihre Aktivitäten einstellten.
Re: Planet Wendepunkt – Der Anfang vom Ende
Verfasst: Mi 18. Mär 2026, 23:24
von BRAIN
Sirius hat geschrieben: ↑Mi 18. Mär 2026, 22:49
Soll es um persönliche Einschätzungen gehen, die ja oft nicht allgemein anerkannt werden, oder um konkrete Abstürze von Bands, die zB den Stil drastisch änderten, da fällt mir auf Anhieb Paradise Lost ein.
Für mich gibt es etliche Bands/Acts, die irgendwann langweilig wurden, wie Ayreon, da mit der Zeit das ursprünglich spannende Konzept und die Musikthemen sich wiederholten. The Theory of Everything war schon nicht mehr so stark, mit The Source war dann Ende bei mir.
sowohl als auch, wie es euch beliebt.
Re: Planet Wendepunkt – Der Anfang vom Ende
Verfasst: Do 19. Mär 2026, 07:13
von Beatnik
Eine unglückliche Produktion ? Das war definitiv das dritte Album der Southern Rock Band Doc Holliday. 1981 überraschte die Gruppe mit einem wunderbaren Debütalbum, das - mit Ausnahme der Allman Brothers zu jener Zeit - dieses musikalische Genre quasi mit einem weiteren 'Referenzwerk' beglückte. Diesem tollen Einstieg liess die Band noch im selben Jahr (!) eine weitere Perle folgen: das zweite Album mit dem Titel "Doc Holliday Rides Again", auf welchem sich mit dem Longtrack "Lonesome Guitar" eine der wunderbarsten Southern Rock Hymnen überhaupt fand. Nach nur wenigen Monaten und zwei so hervorragenden Alben waren Doc Holliday schon zu den ganz Grossen dieses musikalischen Stils aufgestiegen. 1982 war die Band aufgrund ihres Erfolgs permanent am touren, sodass an weitere Aufnahmen nicht zu denken war. Erst 1983 machten sich Doc Holliday an die Arbeit zu ihrem dritten Album. Dafür holten sie sich den Produzenten Reinhold Mack und nahmen im Musicland Studio in München ein Album auf, das man mit viel Wohlwollen als nicht so recht gelungen bezeichnen könnte, ich persönlich fand und finde es schlicht gruselig. Kaskaden von Digitalsounds, elektronische Drums, Synthesizerkleister bis zum Erbrechen: da wollte einer ganz offensichtlich ein Pendant zu Z.Z. Top's "Eliminator" präsentieren, was gründlich in die Hosen ging. "Monkey Medicine" geriet einerseits zu einem gnadenlosen Flop, andererseits zeigte es auf, wie sich drastisch veränderte Produktionen auf die Qualität der Musik auswirken und ein Publikum schocken kann: Southern Rock und Elektronik: ein völliges no go. Erst drei Jahre später wagte sich die zwischenzeitlich aufgelöste Band an ein weiteres Album. Ihr Stil hatte sich jedoch erneut verändert. Er war härter geworden, eine Art Molly Hatchet light, allerdings ohne deren Wucht und Wärme. Das Album "Danger Zone" erschien bezeichnenderweise beim Label 'Metal Master', was eigentlich schon alles sagt. Als Metal Southern Hard Rock, oder wie immer man so einen Quark bezeichnen mag, taten sich die Jungs um den hervorragenden Gitarristen Bruce Brookshire erneut keinen Gefallen. Die Eleganz und Authentizität ihrer beiden ersten Alben konnten sie nie wieder erreichen. Fehlentscheidungen hinsichtlich Produzent und Arrangements ihrer Songs leiteten schon früh den Niedergang dieser anfangs so hoffnungsvollen Band ein.
Re: Planet Wendepunkt – Der Anfang vom Ende
Verfasst: Fr 20. Mär 2026, 22:33
von BRAIN
Genesis – „Calling All Stations“ mit Ray Wilson
Die Entscheidung: Nach Phil Collins’ Ausstieg 1996 setzten Banks & Rutherford Genesis mit Ray Wilson als Sänger fort und produzierten ein bewusst düsteres, Tony‑Banks‑dominiertes Album.
Warum der Knackpunkt? Die Genesis‑Marke (Collins = Pop‑Strahlkraft, Hackett/Hackett-Ära = Prog‑Magie) war vielschichtig – Wilson passte weder zum Pop‑Erbe noch ans Original-Prog-Gefühl.
Das Album spaltete Fans, verkaufte sich schwach, und die Band verschwand danach für Jahrzehnte.
Dauerhaft geschwächt? Ja – Genesis als kreative Einheit war danach tot. Die 2007er-Reunion war reine Nostalgie, kein Neustart.