War Kurt Cobains Tod doch kein Suizid ?
Verfasst: Do 12. Feb 2026, 17:41
Der Nirvana Frontman Kurt Cobain starb 1994. Bislang hiess es, es wäre ein Suizid gewesen. Doch nun rütteln Forensiker an der offiziellen Sichtweise. Auch der hierzulamde sehr bekannte Kriminalbiologe Mark Benecke hat sich zu diesen neuen Erkenntnissen geäussert. Cobain wurde am 5. April 1994 leblos in seinem Haus in Seattle aufgefunden. Er wurde nur 27 Jahre alt. Die Behörden urteilten damals: Tod durch Suizid. Demnach starb Cobain infolge eines selbst zugefügten Schusses aus einer Remington Model 11, Kaliber 20. Dafür spricht, dass der Sänger mit der Schrotflinte zwischen seinen Beinen, einer Kopfwunde und einem Abschiedsbrief entdeckt wurde. Zwar wurde seither immer wieder mal behauptet, der Sänger sei ermordet worden, doch die Suizid-Bewertung gilt bis heute. Diese Thesen gab es schon: Fans verdächtigten unter anderem Cobains Ehefrau Courtney Love, seinen Mord in Auftrag gegeben zu haben. Hinweise darauf gab es keine, gegen sie wurde nie ermittelt. Auch die Behauptung, Cobain sei von der CIA umgebracht worden, weil er amerikanische Kinder in die Drogensucht treibe, kursierte in der Vergangenheit. Der Autor Ian Halperin behauptete im April 2023, er habe Beweise für eine Ermordung des Nirvana-Sängers. Im Januar 2024 veröffentlichte der Privatdetektiv Tom Grant einen angeblichen Autopsiebericht, laut dem Cobain verschiedene Substanzen im Blut hatte.
Doch nun kommt ein Forensikerteam zu dem Schluss, dass Cobain Opfer eines sogenannten Homizids wurde. Das heisst: Es war Mord oder Totschlag. Den Forensikern zufolge deuten mehrere Punkte darauf hin, dass Cobain zunächst zu einer Heroinüberdosis gezwungen, dann von einer anderen Person in den Kopf geschossen, bewegt und anschliessend mit einem gefälschten Abschiedsbrief allein gelassen wurde. Hinter dieser Analyse steckt ein siebenköpfiges Team um Bryan R. Burnett, der ein privates forensisches Labor betreibt. Vor allem seine italienischen Mitstreiterinnen und Mitstreiter sind an Hochschulen tätig, im Bereich der Rechtsmedizin und der Forensik. Gemeinsam haben die Forschenden ausschliesslich öffentlich zugängliche Erkenntnisse analysiert und multidisziplinär kritisch begutachtet. Dabei wurden vor allem Autopsie- und Tatortmaterialien unter die Lupe genommen. Das Team nennt verschiedene Punkte, die ihrer Bewertung nach gegen einen Suizid – und für einen Mord oder Todschlag – sprechen:
Der Ort des Geschehens war laut den Forschenden für einen Suizid untypisch aufgeräumt. Das Team hebt unter anderem Cobains Heroin-Kit hervor, das sauber geordnet gefunden wurde – und das, obwohl der Sänger völlig zugedröhnt war. Die Forschenden halten das für wenig plausibel. Das Team fand Hinweise auf ein Absterben von Gehirn- und Leberzellen vor dem Tod. Das deute eher auf Sauerstoffmangel infolge einer Heroinüberdosis hin als auf einen sofortigen Tod durch eine Schussverletzung. Zudem sei die Heroindosis gewaltsam injiziert worden und so hoch gewesen, dass, selbst wenn Cobain sie selbst injiziert hätte, er sofort handlungsunfähig gewesen wäre. Dass Cobain nicht selbst abgedrückt habe, zeige sich gemäss den Forschern auch daran, dass an seiner linken Hand kein Blut zu sehen war. Das sei unlogisch, da sich die Hand am Lauf der Waffe befunden habe. Blutspuren am unteren Teil seines Hemdes deuten laut den Forschenden zudem darauf hin, dass die Leiche nach dem Schuss bewegt worden sein könnte. Auch der Abschiedsbrief spricht laut dem Team gegen einen Suizid: Der obere Teil ist von Kurt geschrieben. Darin ist von Selbstmord keine Rede, er spricht vor allem davon, die Band zu verlassen. Die letzten vier geschriebenen Zeilen sähen anders aus, die Schrift sei grösser und unordentlicher, was eine mögliche Fälschung vermuten lässt.
Der Kriminalbiologe Mark Benecke meint hierzu: "Nur Spuren entscheiden, niemals Meinungen, Lebensnähe oder gesunder Menschenverstand". Wie seriös ist die Analyse ? Wie glaubwürdig das Ergebnis ? Benecke, der sich schon seit einigen Jahren mit dem Fall Kurt Cobain beschäftigt, bewertet die Arbeit des Teams um Burnett nicht als klassische wissenschaftliche Veröffentlichung. Benecke moniert etwa, dass in der Analyse Begriffe auftauchten, die in einer wissenschaftlichen Zeitschrift als Wertungen unangebracht seien, etwa, dass eine Tötung mit einer Langwaffe unnötig sei, da der Tod durch Heroin ebenso möglich gewesen sei. "Eine Vermutung, die nichts mit Spuren zu tun hat", sagt Benecke.
Um neue Erkenntnisse unters Volk zu bringen, publizieren Forschende ihre Studien in Fachzeitschriften. Dafür arbeiten sie zunächst ein Manuskript aus, das sie der Fachzeitschrift vorlegen. Nimmt diese den Entwurf an, findet die Begutachtung, das sogenannte "Peer-Review", statt. Das heisst: In der Regel anonyme und unabhängige Fachkollegen begutachten die Arbeit, kritisieren und machen Anmerkungen. Dies dient der Qualitätssicherung. Dann wird die Arbeit an die Autoren zurückgesandt, welche sie überarbeiten. Dieses Vorgehen kann sich einige Male wiederholen. Abschliessend wird die Arbeit der entsprechenden Fachzeitschrift publiziert. Bevor dieser Prozess abgeschlossen ist, werden Studien in sogenannten "Preprints" veröffentlicht. Die neue Studie greift auch einen Punkt auf, der schon früher als Argument gegen einen Suizid Cobains genannt wurde: die hohe Heroinkonzentration im Blut des Musikers. Laut Benecke ist das Argument, dass Cobain unter Drogeneinfluss die Waffe nicht mehr betätigen konnte, einer der Kernpunkte der aktuellen Analyse. Doch laut dem Kriminalbiologen ist es nicht so gewichtig, wie das Team um Burnett schreibe. Menschen, die schon einmal völlig betrunken waren, wissen sicher, dass sie trotz eines kompletten Alkohol-Filmrisses nach Hause gefunden haben, über Treppen gestiegen oder mit der Bahn gefahren sind. Schon vor vier Jahren hatte er in einem Interview in der Zeitschrift "Rolling Stone" darauf hingewiesen, «/dass Cobain ein sogenannter "heavy user" war, der regelmässig viele Drogen nahm. Entsprechend viel dürfte er vertragen haben. Wird der Fall aufgrund dieser jeuesten Erkenntnisse jetzt neu aufgerollt ? Nein. Die zuständigen Behörden im King County halten an der ursprünglichen Einstufung als Suizid fest. Man habe 1994 eine vollständige Autopsie durchgeführt und sehe bislang keine neuen Belege, die eine Wiederaufnahme des Falls rechtfertigten. Auch eine erneute Prüfung durch die Polizei von Seattle im Jahr 2014 bestätigte die damalige Einschätzung.
Die aktuelle Analyse ist im International Journal of Forensic Sciences erschienen.
Doch nun kommt ein Forensikerteam zu dem Schluss, dass Cobain Opfer eines sogenannten Homizids wurde. Das heisst: Es war Mord oder Totschlag. Den Forensikern zufolge deuten mehrere Punkte darauf hin, dass Cobain zunächst zu einer Heroinüberdosis gezwungen, dann von einer anderen Person in den Kopf geschossen, bewegt und anschliessend mit einem gefälschten Abschiedsbrief allein gelassen wurde. Hinter dieser Analyse steckt ein siebenköpfiges Team um Bryan R. Burnett, der ein privates forensisches Labor betreibt. Vor allem seine italienischen Mitstreiterinnen und Mitstreiter sind an Hochschulen tätig, im Bereich der Rechtsmedizin und der Forensik. Gemeinsam haben die Forschenden ausschliesslich öffentlich zugängliche Erkenntnisse analysiert und multidisziplinär kritisch begutachtet. Dabei wurden vor allem Autopsie- und Tatortmaterialien unter die Lupe genommen. Das Team nennt verschiedene Punkte, die ihrer Bewertung nach gegen einen Suizid – und für einen Mord oder Todschlag – sprechen:
Der Ort des Geschehens war laut den Forschenden für einen Suizid untypisch aufgeräumt. Das Team hebt unter anderem Cobains Heroin-Kit hervor, das sauber geordnet gefunden wurde – und das, obwohl der Sänger völlig zugedröhnt war. Die Forschenden halten das für wenig plausibel. Das Team fand Hinweise auf ein Absterben von Gehirn- und Leberzellen vor dem Tod. Das deute eher auf Sauerstoffmangel infolge einer Heroinüberdosis hin als auf einen sofortigen Tod durch eine Schussverletzung. Zudem sei die Heroindosis gewaltsam injiziert worden und so hoch gewesen, dass, selbst wenn Cobain sie selbst injiziert hätte, er sofort handlungsunfähig gewesen wäre. Dass Cobain nicht selbst abgedrückt habe, zeige sich gemäss den Forschern auch daran, dass an seiner linken Hand kein Blut zu sehen war. Das sei unlogisch, da sich die Hand am Lauf der Waffe befunden habe. Blutspuren am unteren Teil seines Hemdes deuten laut den Forschenden zudem darauf hin, dass die Leiche nach dem Schuss bewegt worden sein könnte. Auch der Abschiedsbrief spricht laut dem Team gegen einen Suizid: Der obere Teil ist von Kurt geschrieben. Darin ist von Selbstmord keine Rede, er spricht vor allem davon, die Band zu verlassen. Die letzten vier geschriebenen Zeilen sähen anders aus, die Schrift sei grösser und unordentlicher, was eine mögliche Fälschung vermuten lässt.
Der Kriminalbiologe Mark Benecke meint hierzu: "Nur Spuren entscheiden, niemals Meinungen, Lebensnähe oder gesunder Menschenverstand". Wie seriös ist die Analyse ? Wie glaubwürdig das Ergebnis ? Benecke, der sich schon seit einigen Jahren mit dem Fall Kurt Cobain beschäftigt, bewertet die Arbeit des Teams um Burnett nicht als klassische wissenschaftliche Veröffentlichung. Benecke moniert etwa, dass in der Analyse Begriffe auftauchten, die in einer wissenschaftlichen Zeitschrift als Wertungen unangebracht seien, etwa, dass eine Tötung mit einer Langwaffe unnötig sei, da der Tod durch Heroin ebenso möglich gewesen sei. "Eine Vermutung, die nichts mit Spuren zu tun hat", sagt Benecke.
Um neue Erkenntnisse unters Volk zu bringen, publizieren Forschende ihre Studien in Fachzeitschriften. Dafür arbeiten sie zunächst ein Manuskript aus, das sie der Fachzeitschrift vorlegen. Nimmt diese den Entwurf an, findet die Begutachtung, das sogenannte "Peer-Review", statt. Das heisst: In der Regel anonyme und unabhängige Fachkollegen begutachten die Arbeit, kritisieren und machen Anmerkungen. Dies dient der Qualitätssicherung. Dann wird die Arbeit an die Autoren zurückgesandt, welche sie überarbeiten. Dieses Vorgehen kann sich einige Male wiederholen. Abschliessend wird die Arbeit der entsprechenden Fachzeitschrift publiziert. Bevor dieser Prozess abgeschlossen ist, werden Studien in sogenannten "Preprints" veröffentlicht. Die neue Studie greift auch einen Punkt auf, der schon früher als Argument gegen einen Suizid Cobains genannt wurde: die hohe Heroinkonzentration im Blut des Musikers. Laut Benecke ist das Argument, dass Cobain unter Drogeneinfluss die Waffe nicht mehr betätigen konnte, einer der Kernpunkte der aktuellen Analyse. Doch laut dem Kriminalbiologen ist es nicht so gewichtig, wie das Team um Burnett schreibe. Menschen, die schon einmal völlig betrunken waren, wissen sicher, dass sie trotz eines kompletten Alkohol-Filmrisses nach Hause gefunden haben, über Treppen gestiegen oder mit der Bahn gefahren sind. Schon vor vier Jahren hatte er in einem Interview in der Zeitschrift "Rolling Stone" darauf hingewiesen, «/dass Cobain ein sogenannter "heavy user" war, der regelmässig viele Drogen nahm. Entsprechend viel dürfte er vertragen haben. Wird der Fall aufgrund dieser jeuesten Erkenntnisse jetzt neu aufgerollt ? Nein. Die zuständigen Behörden im King County halten an der ursprünglichen Einstufung als Suizid fest. Man habe 1994 eine vollständige Autopsie durchgeführt und sehe bislang keine neuen Belege, die eine Wiederaufnahme des Falls rechtfertigten. Auch eine erneute Prüfung durch die Polizei von Seattle im Jahr 2014 bestätigte die damalige Einschätzung.
Die aktuelle Analyse ist im International Journal of Forensic Sciences erschienen.