
Heiter bis Wolkig – Widerstandslieder
In den letzten Wochen landeten bei mir immer wieder LPs von Lilienthal auf dem Plattenteller. Bisher habe ich darauf verzichtet, über die Band zu schreiben – politischer Folk der 70er Jahre ist heute schließlich ein extremes Nischenthema. Doch Lilienthal hatte diesen einen richtigen Hammersong „Edelweißpiraten“, der interessanterweise nie auf einem ihrer regulären Studioalben erschien, sondern lediglich auf dem Sampler „Wir wollen leben“.
Genau diesen Song haben Heiter bis Wolkig (HbW) nun für ihre höchst ambitionierte Doppel-LP „Widerstandslieder“ ausgegraben, die 2021 zum 35-jährigen Bandjubiläum erschien.
Das Album ist weit mehr als eine bloße Coversammlung. Mit insgesamt 20 Songs, die in vier thematische Blöcke unterteilt sind, spannen HbW einen weiten Bogen:
1. Widerstand im deutschen Land
2. Widerstand dem Unverstand
3. Widerstand im Hinterland
4. Widerstand für Zombieland
Dabei mischt die Band geschickt Klassiker der deutschen Protestkultur mit starken Eigenkompositionen. Besonders hervorzuheben sind dabei folgende Neuinterpretationen:
Edelweißpiraten (Das besagte Lilienthal-Cover)
Die schlesischen Weber (Heinrich Heine, unterlegt mit musikalischen Zitaten von Slimes „Deutschland muss sterben“)
Stollwerck-Lied (BAP – hier mutig auf Hochdeutsch interpretiert)
Der Traum ist aus (Ton Steine Scherben)
Karl der Käfer (Gänsehaut)
Die weißen Tauben sind müde (Hans Hartz)
Brüder der romantischen Verlierer (Schroeder Roadshow)
Es ist an der Zeit (Hannes Wader)
Unter den Eigenkompositionen sticht insbesondere „Nie wieder Faschismus“ heraus. Insgesamt wirkt das Album wie eine kleine, vertonte Geschichtsstunde, die den Bogen von Heinrich Heines Lyrik bis in die heutige Zeit spannt.
Ich bin auf der ganzen Linie begeistert, auch wenn es einen kleinen Wermutstropfen gibt: Das Cover von Hannes Waders „Es ist an der Zeit“ stammt aus dem Archiv (1987) und will klanglich nicht so recht mit der druckvollen Produktion des restlichen Materials harmonieren. Dennoch: Ein Pflichtkauf für alle, die deutsche Polit-Musik mit Kante schätzen.